
Liebe Leser*innen Wieder sind drei Monate vergangen - das heißt, es ist Zeit für einen neuen Rundbrief. Das bedeutet auch, dass mittlerweile schon sechs Monate vergangen sind, also Halbzeit.
Wenn ich so auf das letzte halbe Jahr zurückblicke, ist es einerseits total verrückt, dass schon (über) die Hälfte rum ist. Aber andererseits fühlt es sich aber auch so an, als wäre ich schon viel länger hier. Grund dafür könnte unter anderem sein, dass ich mittlerweile meine Routinen gefunden habe - einen geregelten Tages- und Wochenablauf. Ich weiß, wo ich zum Spazieren hingehe, zum Einkaufen, welches Café, welche Bar,… Auch bei der Arbeit habe ich mich mittlerweile gut einleben können und habe rausgefunden, welches Kind was gerne mag oder auch nicht, was gut funktioniert und was auch nicht. Kurzgesagt bin ich mittlerweile wirklich angekommen und es ist nicht mehr alles so neu und fremd, wie es noch beim letzten Rundbrief war, was eigentlich ein sehr gutes Gefühl ist.
Um euch von meiner Zeit hier zu berichten, fange ich am besten da an, wo ich das letzte Mal aufgehört habe. Wenn ich in meiner Fotogalerie rumstöbere, fällt mir als Erstes mein Umzug ins Auge. Wie schon im letzten Rundbrief angesprochen, habe ich mich in der WG, in der ich gelebt hatte, gar nicht wohlgefühlt, konnte aber zum Glück recht schnell in eine kleine Einzimmerwohnung für mich allein umziehen. Es ist eine kleine und bescheidene Wohnung, die auch ihre Macken hat (leider), aber ich fühle mich wohl. Es fühlt sich gut an, endlich einen Ort zu haben, der sich wirklich wie ein zu Hause anfühlt. Außerdem ist die Lage super und ich genieße die Minuten, die ich jetzt jeden Morgen länger schlafen kann, da ich nur noch fünf Minuten Fußweg zu dem Kindergarten habe.
Weihnachten
dekoriert war (nur der Schnee hat ein bisschen zu wünschen übrig gelassen). Auch im Kindergarten kam die Weihnachtsstimmung an. Wir haben viele Weihnachtslieder gesungen, Gedichte aufgesagt, weihnachtliche Bilder gemalt, viele Weihnachtsbücher vorgelesen und natürlich auch schön dekoriert. Wir hatten sogar einen kleinen Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt. Außerdem war es an der Zeit, die Weihnachtsfeier für die Kinder zu planen, die jedes Jahr am letzten Tag vor den Weihnachtsferien stattfindet. Dieses Jahr war der Plan, die Kinder als Engel, Weihnachtswichtel, Schneemänner usw. zu verkleiden, um die Eltern damit zu überraschen. Zum Glück ist eine ehemalige Mitarbeiterin vom Kindergarten eine sehr gute Näherin und konnte die Kostüme maßgeschneidert anfertigen, sodass sie nicht für viel Geld gekauft werden mussten. Am Tag der Weihnachtsfeier wurden also allen Kindern die Kostüme angezogen, bevor sie dann zurück zu ihren Eltern in den großen Raum konnten, wo unter dem Weihnachtsbaum schon Geschenke auf sie warteten. Die Geschenke bestanden auf Spenden und/oder wurden von Geldspenden und Sponsoren finanziert, sodass jedes Kind etwas bekommen konnte, was ihm/ihr auch wirklich gefällt.
Baum schmücken
Geschichte lesen
& meine Arbeitskolleginnen und ich bei der Weihnachtsfeier
Ein paar Tage später habe ich mich dann auch auf den Weg gemacht, um mit meinen Freund*innen Weihnachten zu feiern. Da vier von uns für die Kirche in Fagaras arbeiten und dementsprechend bei den Weihnachtsgottesdiensten mithelfen mussten, war schnell geklärt, dass wir Weihnachten in Fagaras bzw. meinem Lieblingsdörfchen Selistat verbringen werden. Um noch einmal vorher rauszukommen, haben wir uns alle in der wunderschönen Stadt Sibiu getroffen und dort einen Tag verbracht. Auf dem Rückweg nach Selistat hat dann auf der letzten Etappe das Auto schlapp gemacht, aber irgendwie haben wir es dann doch noch nach Hause geschafft, wenn auch wesentlich langsamer. An Heiligabend sind wir dann abends zurück nach Fagaras gefahren, da der erste Gottesdienst anstand. Da die Kirchengemeinde, bei der meine Freundinnen arbeiten, eine Gemeinde der Siebenbürgersachsen ist (die deutsche Minderheit in Rumänien), war der Gottesdienst auf Deutsch, sodass wir alles verstehen konnten. Zurück in Selistat haben wir zusammen gegessen, die Wichtelgeschenke verteilt, … Es war ein wirklich schöner Tag, aber ich muss sagen, dass es sich gar nicht nach Weihnachten angefühlt hat. Da in Rumänien der erste Weihnachtsfeiertag der wichtigste Tag an Weihnachten ist, sind wir am 25. morgens nochmal zurück zur Kirche gefahren, wo es nochmal einen Gottesdienst gab. Abends haben wir dann mit den Nachbarn von Mara und Miriam nochmal Weihnachten gefeiert, was auch super schön war. Da das Auto ja irgendwie schlapp gemacht hatte, wir alle keine große Ahnung von Autos haben, die Werkstatt zu hatte und uns der Nachbar sein Auto nicht nochmal ausleihen konnte (oder wollte ?) fielen leider die meisten unserer Pläne ins Wasser, da wir nicht aus dem Dorf rauskamen. An einem Tag haben wir dann doch nochmal ein Auto geliehen bekommen und wir konnten zum Sâmbăta de sus fahren und eine Wanderung machen. Je höher wir gelaufen sind, desto mehr und tiefer lag Schnee, was das Ganze immer schöner aber auch immer anstrengender gemacht hat, da man ständig eingesunken oder ausgerutscht ist. Highlight war neben der Aussicht auf jeden Fall der Abdruck einer Bärentatze im Schnee. Anscheinend waren wir nicht alleine unterwegs;).
Silvester und Besuch zu Hause
Um Silvester zu feiern, hatten wir uns überlegt, nach Bukarest zu fahren, was wir dann auch taten. Da ich aber zwischendurch super krank geworden bin, musste ich leider einsehen, dass es gar keinen Sinn macht, noch länger in Bukarest zu bleiben und bin nach nur einer Nacht in Bukarest wieder zurück zu mir nach Hause nach Cluj gefahren. Das hieß dann auch, Silvester allein im Bett zu verbringen. Ich hatte schon vorher überlegt bzw. recht spontan an Weihnachten beschlossen ein paar Tage nach Hause zu fahren. Eigentlich hatte ich nicht vor, zwischendurch nach Hause zu gehen, aber als ich dann gemerkt habe, dass so ziemlich alle Freiwilligen um mich rum nach Hause fahren, und ich noch recht lange Ferien hatte, habe ich mich etwas von den Anderen inspirieren lassen dann auch einen Flug nach Hause gebucht. :) Da es mir sowieso körperlich schon nicht gut ging und meine Stimmung nicht gerade davon gehoben wurde, dass ich Silvester alleine verbringen musste, war der Flieger nach Hause eine super große Erleichterung. Es war total schön, nochmal alle wiederzusehen und Zeit mit meiner Familie, Freund*innen und natürlich meinem Hündchen zu verbringen. Die ersten Momente waren vielleicht noch ein bisschen ungewohnt, aber es hat sich schnell so angefühlt, als wäre ich nie weg gewesen. Insgesamt hatte ich wirklich ein paar schöne Tage im noch schöneren Trier, die mir wirklich gutgetan haben. Zurück in Rumänien habe ich dann schnell merken müssen, dass ich es sehr unterschätzt hatte, wie es ist wieder zurückzukommen. Es hat schon nochmal ein paar Tage gebraucht, bis ich mich wieder an alles gewöhnen bzw. umstellen konnte und ich meine Routinen wiedergefunden hatte. Aber auch das ging vorbei und ich war froh, als ich meine Arbeitskolleginnen und die Kinder aus dem Kindergarten wiedersehen konnte.
Zwischenseminar
Mitte Februar stand dann auch schon das Zwischenseminar an, worauf ich mich schon lange gefreut hatte. Dieses Jahr sollte das für uns in einer ganz kleinen Stadt namens Mali Idos in Serbien stattfinden. Meine Reise ging über Budapest, wo ich dann meine Mitfreiwillige Rebecca getroffen habe. Zusammen haben wir uns dann noch einen schönen Abend in Budapest gemacht. Rebecca macht ihren Freiwilligendienst in Litauen, ist also doch nochmal ein Stückchen weiter weg. Umso schöner war es, sie jetzt nochmal wiederzusehen. Am nächsten Morgen haben wir uns dann gemeinsam weiter auf den Weg nach Novi Sad, eine Stadt in Serbien, gemacht. Zufällig hatten wir schon andere Freiwillige getroffen, die auch auf dem Weg zum Seminar waren und konnten so schon mal alle zusammen einen super schönen Abend verbringen, bevor es dann nach Mali Idos ging. Zu unserer kleinen Reisegruppe gehörte unter anderem eine Freiwillige, die fließend Serbisch sprach, was die Suche nach dem Bus und den Ticketkauf deutlich erleichtert hat. Mali Idos ist eine sehr kleine aber super süße Stadt und unsere Unterkunft war wirklich ein Träumchen!! Da kann man es sich schon mal eine Woche gut gehen lassen ;). Auf dem Seminar haben wir uns mit vielen verschiedenen Themen beschäftigt, vor allem natürlich mit Themen, die unseren Freiwilligendienst individuell betreffen. Auch haben wir aber über die politische Situation unserer Einsatzländer und insbesondere nochmal über die aktuelle politische Lage in Serbien gesprochen. Diese ist in Serbien derzeit extrem angespannt. Auslöser war der Einsturz des, eigentlich frisch renovierten, Bahnhofsdaches in Novi Sad am ersten November 2024, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen. Dieses Ereignis führte zu landesweiten Protesten, insbesondere unter Studierenden, die Korruption und Misswirtschaft in der Regierung von Präsident Aleksandar Vučić anprangern. Die Protestierenden verlangen unter anderem Strafen für die Verantwortlichen sowie die Einsicht aller Dokumente im Zusammenhang mit dem vorherigen Umbau/ Sanierung des Bahnhofs. Infolge des öffentlichen Drucks trat Premierminister Miloš Vučević im Februar 2025 zurück. Dennoch halten die Proteste an, da die Demonstranten umfassende Reformen und eine verstärkte Bekämpfung der Korruption fordern. Natürlich hat man vorher schon grob darüber gehört, unter anderem weil man auch vorher gesagt bekommen hat, dass man von der Polizei und Protesten fernbleiben soll. Es war aber super interessant und gleichzeitig erschreckend, nochmal mehr im Detail darüber zu lernen. Für alle, die es interessiert hab euch hier noch einen Link von einem Video vom ZDF hinzugefügt, der die ganze Situation nochmal bisschen besser erklärt:(https://www.youtube.com/watch?v=tYExCuEBZi4)
Das Seminar hat insgesamt echt viel Spaß gemacht. Es war sehr lehrreich und interessant, sowohl die Seminarthemen als auch der Austausch mit den anderen Freiwilligen ! Leider ging es natürlich viel zu schnell vorbei. Aber ich bin froh, dass ich nochmal ein neues Land und neue Menschen kennenlernen durfte. Was nicht mehr ganz so viel Spaß gemacht hat, war die Rückreise, bei der wir fast sechs Stunden an der serbisch/ ungarischen Grenze herumstanden… Da freut man sich direkt nochmal mehr, dass Deutschland Teil der EU ist und wir diese Probleme nicht haben;)



Frühlingsanfang
Am 1. März wird hier der Frühling begrüßt – und das wird mit kleinen Geschenken, den sogenannten „Mărțișoare“, gefeiert. Dabei handelt es sich meist um kleine Broschen, Anstecker oder Armbänder. Zusätzlich werden Blumen, Gebäck oder andere kleine Aufmerksamkeiten verschenkt. Wer wem etwas schenkt, hängt davon ab, in welcher Region Rumäniens man sich befindet. In der Nähe von Moldawien erhalten traditionell die Männer Mărțișoare von den Frauen. In meiner Region hingegen ist es umgekehrt – hier bekommen die Frauen die Geschenke von den Männern. Überall in der Stadt sind Stände aufgebaut, die Blumen oder Mărțișoare verkaufen, was sehr schön aussieht und der Stadt eine tolle Atmosphäre verleiht. Ich finde diese Tradition echt schön und werde sie in Deutschland definitiv vermissen! Auch der Weltfrauentag am achten. März wird hier viel größer gefeiert als bei uns. Überall bekommt man Blumen, kleine Geschenke, Glückwünsche, kostenlose Getränke oder Rabatte in Cafés, etc.

Mărțișoare
Was die Zukunft noch bringt
Bei mir stehen in Zukunft einige Veränderungen an. Auch wenn ich hier viele total schöne Erinnerungen sammeln durfte, gab es doch auch verschiedene Dinge und Situationen, die nicht so gelaufen sind/ laufen, wie ich sie mir vorstelle, sodass ich mich entschieden habe etwas ändern zu wollen. April werde ich mein Projekt wechseln und dafür in eine Kleinstadt im ungarischsprachigen Teil von Rumänien ziehen. Heißt also nochmal neue Sprache lernen, neu einleben und neue Menschen treffen. Ich weiß jetzt schon, dass ich meine Arbeitskolleginnen hier und auch die Kinder im Kindergarten sehr vermissen werde und der Abschied bestimmt nicht leicht wird, weil ich sie alle ins Herz geschlossen habe. Trotzdem freue ich mich schon auf die neuen Erfahrungen, die ich im neuen Projekt und am neuen Ort machen werde!
Ich werde davon berichten:)
Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!!
Eure Wiebke