Hola, ihr alle! Ich bin Lilly und mache grade meinen Freiwilligendienst in Bolivien - genauer gesagt in El Alto. Mittlerweile bin ich schon über drei Monate hier und es ist so viel passiert, dass es sich nur schwer zusammenfassen lässt. Ich hab es hier trotzdem mal versucht:
Am 10 August ging für mich und meine Mitfreiwilligen Luca und Sarah die Reise los. Von Frankfurt aus flogen wir über Amsterdam nach Bogotá und von dort aus schließlich nach La Paz. Klingt lang? War es auch. Dafür wurden wir am Flughafen von unserer Partnerorganisation, der Hermandad, super herzlich empfangen.
Die erste Woche verbrachten wir zusammen in La Paz und kümmerten uns hauptsächlich um unser Visum. Uns hatte zwar niemand verschwiegen, das La Paz auf über 3000 Höhenmetern liegt und damit recht kühl ist, trotzdem waren wir erstmal ganz schön überrascht von der Kälte. Wir, die aus dem gerade noch schön sommerlich warmen Deutschland kamen, froren erstmal ganz schön. Nichts desto trotz genoss ich die Zeit sehr und mit ihren wunderschönen Aussichten und der berühmten Seilbahn, der Teleférico, ist die Stadt auch wirklich beeindruckend.
Meine Gasfamilie lernte ich am Wochenende kennen. Sie empfingen mich herzlich und ich fühlte mich direkt sehr wohl. El Alto, wo sowohl meine Gastfamilie wohnt als auch mein Projekt liegt, ist nochmal ein Stück höher als La Paz. Dafür ist El Alto aber auch größer! Mit über 800.000 Einwohnern ist sie eine der größten Städte Boliviens und mit 3900 Höhenmetern eine der höchsten Städte der Welt. Meine Gastschwester Carola kommt nächstes Jahr als Freiwillige nach Deutschland und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Sie zeigte mir die Gegend und half mir viel, mich zurecht zu finden. Gemeinsam besuchten wir auch die Jubiläumsfeier meines Projektes. Bei der Gelegenheit konnte ich schon viele Kinder und Jugendliche aus meinem Projekt kennenlernen.
Zusammen La Paz erkunden
Kurz danach ging es endlich ins Warme! Die Hermandad hatte uns nämlich zu einer Pilgerreise nach Tarija eingeladen. Ich war sehr froh, endlich meine Jacke ausziehen zu können und das schöne Wetter zu genießen. Tarija ist nämlich die südlichste Stadt Boliviens und damit ziemlich warm. Die drei Tage gingen wie im Flug vorbei und ich war überwältigt von den vielen neuen Eindrücken.
Zurück in El Alto genoss ich die letzte Zeit mit meiner Gastfamilie. Denn bald hieß es Abschied nehmen, ich zog nämlich um, in mein Projekt.
Das Zentrum Utasa ist eine Kinder- und Jugendeinrichtung in der zusammen gelernt, gespielt und gegessen wird. Auf dem Gelände befinden sich sowohl das Zentrum, als auch eine Kirche und ein großes Pfarrhaus, wo ich mit den Bewohnern und meiner Mitfreiwilligen Martha wohne. Es gibt nämlich aktuell noch eine andere Freiwillige, Martha kommt aus Camiri und ist noch bis Dezember hier. Ich bin echt froh dass wir uns so gut verstehen. Im Projekt darf ich die Gruppe von Profesora Edith begleiten. Die Kinder in der Gruppe sind zwischen 7 und 9 Jahren alt. Wir machen gemeinsam Hausaufgaben, lernen und mittags essen wir gemeinsam. Gekocht wird von der Köchin des Zentrums, die jeden Tag ein anderes Bolivianisches Gericht vorbereitet. Zu meinen Lieblingsgerichten gehören auf jeden Fall Tortilla de Verduras, also ein Gemüsetortilla und Plato Cubano, das ist ein Gericht mit Reis, Ei und Kochbanane.
Am liebsten mag ich aber die Samstage. Denn da ist das Jugendzentrum geöffnet und es gibt verschiedene Kurse wie zum Beispiel Tanzen, Schauspiel oder Musik. Danach machen wir oft noch gemeinsam Spiele oder essen zusammen. Dabei habe ich schon echt viele tolle Leute kennengelernt und ich freue mich immer, sie wiederzusehen.

Meine Gastfamilie
Nach kaum einer Woche im Projekt ging es auch schon wieder los - diesmal zur Partnerschaftswoche der Hermandad in Sucre, der ofiziellen Hauptstadt Boliviens. Die Stadt ist wirklich wunderschön. Weiße Häuser, Palmen und viel Sonne. Außerdem freute ich mich sehr Sarah und Luca wiederzusehen. Wir besuchten Kirchen, erkundeten Sucre und fuhren dann für zwei Tage in Kleingruppen in verschiedene Gemeinden. Meine Gruppe landete in der Landstadt Culpina. Dort gab es einen beeindruckenden Stausee, eine Jesusstatue auf einem Berg und die Ruinen einer der ersten Fabriken Boliviens. Außerdem gab es die Möglichkeit beim Wiederaufbau eines Gemeindegartens zu helfen.
Am Ende trafen wir uns alle in Sucre wieder und feierten den Tag der deutschen Einheit bei einem großem gemeinsamen Abendessen. Am letzten Tag folgte eine Pilgerwanderung im Sonnenaufgang - die war zwar richtig schön, aber sehr früh…
Besuch beim Stausee in Culpina
Wieder zurück in El Alto hatte ich nun Zeit, mich einzuleben - und mich an die Temperaturen zu gewöhnen. Die Temperaturen fühlen sich inzwischen nicht mehr so schlimm an. Durchschnittliche 2 bis 15 Grad hören sich zwar erstmal nach nicht sehr viel an, aber wenn die Sonne scheint ist es richtig schön warm, sodass man auch im T-Shirt draußen sitzen kann. Ab und zu regnet oder hagelt es aber auch, dann ist es hier eher weniger angenehm.
Anfang November wurde hier im Hochland groß Todos Santos gefeiert. Im Zentrum bauten wir einen Tisch voller gaben für die Verstorbenen auf. Unter den Gaben findet man viel Brot, Obst, Süßigkeiten und auch Zuckerrohr. Mein absolutes Highlight waren jedoch die Tantawawas. Tantawawas sind ein traditionelles Gebäck aus Hefeteig die mit Masken aus Ton oder Porzellan verziert werden und die Verstorbenen darstellen sollen. Übersetzt aus Aymara (Das ist die indigene Sprache, die im Hochland gesprochen wird) bedeutet Tantawawa so viel wie „Brotbaby“. Wir haben mit den Kindern im Zentrum welche gebacken. Das war unglaublich süß, aber auch sehr chaotisch.
Am 2. November hatte mich meine Gastfamilie eingeladen mit zum Friedhof zu kommen. Ich war wirklich überrascht von der Atmosphäre, es war voller ausgelassener Menschen, alles war bunt geschmückt es gab viel Musik, gemeinsame Gebete und sehr viel leckeres Essen.
Tantawawas backen mit den Kindern im Zentrum
Mesa de los santos im Zentrum
Am 3. November war es dann soweit: mein 20. Geburtstag! Martha und ich Teilen uns das Datum, also machten wir zusammen einen Ausflug ins Valle de la Luna, ein Tal, in La Paz in dem es aussieht wie auf dem Mond (hat sogar Neil Armstrong gesagt).
Abends feierten wir dann mit Torte und Sidra, ganz nach bolivianischer Festtradition. Ich hab mich wirklich sehr gefreut und den Tag sehr genossen.
Und das waren auch schon meine ersten Monate in Bolivien!
Bis zum nächsten Mal :)
Lilly
