Bolivien: 3. Rundbrief von Lilly Göbel
Bolivien
Lilly Göbel
06.06.2026
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Hola zurück aus El Alto! Kaum zu glauben, aber so schnell sind schon wieder 3 Monate vorbei. Hier war auf jeden Fall wieder mal einiges los von dem ich euch gerne erzählen möchte.

Im März startete in meinem Projekt das neue Semester des Jugendzentrums. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, denn dieses Halbjahr darf ich zusammen mit meiner Freundin Esther einen eigenen Workshop leiten - den Sportworkshop. Außerdem freute ich mich darauf, die Wochenenden wieder mit all meinen Freunden zusammen zu verbringen und viele bekannte Gesichter wiederzusehen.

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Filmeabend im Jugendzentrum

Ein besonderes Highlight war ein Ausflug zum Salar de Uyuni mit ein paar Freundinnen. Der Salar ist mit über 10.000 Quadratkilometern die größte Salzwüste der Welt und liegt auf rund 3.650 Metern Höhe mitten im bolivianischen Altiplano. Wenn man dort steht, fühlt man sich wirklich wie auf einem anderen Planeten. Die endlose weiße Fläche reicht bis zum Horizont und sieht wirklich beeindruckend aus. Natürlich mussten auch die berühmten Perspektivfotos gemacht werden, die man von Instagram kennt.

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Perspektivfotos im Salar de Uyuni

Über Ostern hatte ich ein paar freie Tage und nutzte die Gelegenheit, Sarah in ihrem Einsatzort Riberalta zu besuchen. Riberalta liegt ganz im Norden Boliviens im Departamento Beni, mitten im Amazonasgebiet. Nach den Monaten auf über 4.000 Metern Höhe in El Alto fühlte sich das Klima dort an wie eine Mischung aus Sauna und Dschungel. Während ich hier in El Alto oft mit Jacke unterwegs bin, kam ich in Riberalta schon beim Nichtstun ins Schwitzen.

Außerdem durfte ich dort eine besondere Ostertradition miterleben: das „Via Crucis“. Dabei zieht ein großer Umzug durch die Stadt, bei dem die letzten Stationen aus dem Leben Jesu, bis hin zur Kreuzigung nachgestellt werden. Es war super spannend zu sehen, mit wie viel Engagement und Leidenschaft die Menschen daran teilnehmen.

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Via cruces in Riberalta

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Ein See in Riberalta

Nach ein paar Tagen ging es wieder zurück nach Hause. Hier merkt man langsam deutlich, dass der Winter vor der Tür steht. Morgens ist es oft richtig kalt und man überlegt zweimal, ob man wirklich aus dem Bett aufstehen möchte. Meine Freizeit verbringe ich oft mit meinen Freunden, wir gehen zusammen Wally spielen (eine Art Volleyball) oder gehen ins Kino. Außerdem besuche ich regelmäßig meine Gastfamilie.

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Mit meiner Gastschwester Vivi bei einem Konzert

Auch im Zentrum war viel los. Vatertag und Kindertag standen vor der Tür und wir haben zusammen kleine Geschenke gebastelt. Eine Sache, die mir besonders gefällt, möchte ich euch heute mal genauer erzählen: jeden Monat gibt es ein Thema, mit dem sich alle Kinder beschäftigen. Ein Beispiel sind die „Palabras Mágicas“, also die Zauberwörter wie „Bitte“, „Danke“ oder „Entschuldigung“. Zu jedem Thema wird ein Tanz eingeübt, jede Woche gibt es passende Spiele und Aktivitäten und jede Gruppe bastelt etwas Passendes - zum Beispiel Plakate oder kleine Projekte.

Am Ende des Monats gibt es dann eine große Messe in der Kirche. Da führen die Kinder ihren Tanz auf, präsentieren die Bastelarbeiten und reflektieren gemeinsam, was sie gelernt haben. Ich finde das eine richtig schöne Idee und die Themen sind auch für mich oft spannend. In einem Monat ging es zum Beispiel um die Pachamama (eine indigene Gottheit) und im anderen um Todos Santos (das Fest der Toten).

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Geschenk zum Kindertag

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Mit den anderen Lehrerinnen bei einem Ausflug

Im April fand außerdem ein Treffen der Hermandad der Andenzone statt. Ich habe mich voll gefreut, die anderen aus der Hermandad El Alto wiederzusehen. Einige kannte ich auch schon aus Deutschland, weil sie dort selbst als Freiwillige gewesen sind. Es war ein sehr schönes Wochenende mit vielen Gesprächen, neuen Begegnungen und jeder Menge Spaß.

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Mit Freundinnen von der Hermandad

Mitte Mai wurde es plötzlich unruhig. Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise, steigender Preise und Probleme mit der Versorgung mit Treibstoff kam es in vielen Teilen Boliviens zu Protesten, Straßenblockaden und großen Märschen. Besonders betroffen waren unter anderem La Paz und El Alto. Teilweise waren wichtige Straßen tagelang blockiert, wodurch Lebensmittel, Benzin und andere Waren nur schwer in die Städte gelangten. Viele Menschen mussten stundenlang für Treibstoff anstehen und der Alltag wurde deutlich komplizierter.

Auch mein Projekt blieb davon nicht verschont. Da viele Lehrer wegen der Blockaden nicht zum Zentrum kommen konnten, musste dieses vorübergehend schließen. Ohne meine Kinder war es plötzlich ungewohnt ruhig. Nach ein paar Tagen Langeweile hatte ich aber einen neuen Rhythmus gefunden. Jeden Tag kamen meine Freunde vorbei und gemeinsam erledigten wir kleinere Arbeiten auf dem Gelände. Wir strichen Türen, räumten auf und kümmerten uns um alles Mögliche. Danach haben wir immer noch Zeit gemeinsam verbracht. Zum Beispiel habe ich ihnen mein Lieblingsspiel Wizard gezeigt, das ihnen auch voll gefallen hat und wir jetzt fast jeden Tag spielen. Manchmal entstehen die schönsten Momente eben in ganz unerwarteten Situationen.

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Mit Freunden beim Wizard spielen

Mittlerweile hat sich die Situation wieder etwas beruhigt, auch wenn die wirtschaftlichen Herausforderungen weiterhin spürbar sind. Viele Menschen hoffen, dass sich in den kommenden Monaten Lösungen finden und wieder etwas Normalität einkehrt.

Und das war es auch schon wieder von mir.

Ganz liebe Grüße aus Bolivien!

Eure Lilly