
Amakuru? Auch wenn der letzte Rundbrief noch gar nicht so lange her ist, folgt hier schon die Fortsetzung meiner Zeit in Ruanda. Inzwischen sind aus vier Monaten schon mehr als ein halbes Jahr geworden. Die Zeit hier vergeht manchmal langsam und gleichzeitig unglaublich schnell. Einzelne Tage können sich ziehen, aber wenn man zurückblickt, fragt man sich plötzlich, wo die ganzen Wochen geblieben sind.
Liebe Leserinnen und Leser
Reisen über Weihnachten und Silvester
Kurz nach Weihnachten ging es für mich und drei andere Freiwillige mit dem Bus nach Kenia. Als wir nach 27 langen Stunden endlich in Nairobi ankamen, war die Überwältigung groß – aber auch das Staunen. Nairobi ist eine wirklich atemberaubende Stadt, nicht umsonst das „New York Afrikas“. Die Safari im Nairobi National Park hat durch das enorme Glück, das wir hatten, nochmal alles getoppt.
Über Silvester ging es weiter nach Mombasa, wo wir die Strände genießen konnten. Silvester konnten wir an sogar an Diani Beach verbringen wo wir auch andere Freiwillige aus Ruanda getroffen haben. Für meinen Mitfreiwilligen Tobias und mich ging es dann direkt weiter zu unserem Zwischenseminar nach Entebbe in Uganda.
Zwischenseminar in Uganda
Zusammen mit anderen Freiwilligen konnte ich reflektieren, mich austauschen und neue Kraft sammeln. Es war unglaublich schön, sich über die unterschiedlichen Erfahrungen auszutauschen, Uganda kennenzulernen und sich gegenseitig Tipps und Unterstützung zu geben.
Das Seminar fand kurz vor den Wahlen statt, was dem Ganzen eine besondere politische und gesellschaftliche Spannung verlieh – auch mit Blick auf die Ausschreitungen in Tansania im letzten Jahr. Es war sehr bereichernd, über Erfahrungen zu sprechen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und zu merken, dass viele Herausforderungen geteilt werden.
Ich bin auf jeden Fall mit neuen Gedanken, neuen Fragen und neuer Motivation zurück nach Ruanda gekommen.

Auf dem Markt in Muhanga

Mit den Kindern in der Mittagspause

Mit Leonie und Fabrice bei einer Feier
Abschied in Muhanga
Ende Februar kam auch schon die Zeit für die ersten Abschiede. Leonie, eine Praktikantin aus Deutschland, die ebenfalls in Muhanga gewohnt hat, ist nach Hause zurückgeflogen. Sie hat mich von Anfang an begleitet und war für mich immer eine große Unterstützung und Hilfe im Alltag.
Der Abschied fiel uns allen nicht leicht. Gleichzeitig war die Abschiedsfeier ein wirklich schöner Abend – natürlich aber auch ein bisschen traurig.
Meine restliche Zeit in Muhanga bzw. Mushubati wird also insgesamt etwas einsamer aber trotzdem bestimmt nicht langweilig.
Mein Projekt
In meinem Projekt läuft weiterhin vieles gut. Die Kinder wachsen mir wirklich mit jeder Woche mehr ans Herz.
In unseren gemeinsamen Stunden malen die Kinder nach wie vor am liebsten. Ich versuche auch immer wieder, Aufgaben passend zum Englischunterricht einzubauen – aber wenn die Wahl zwischen Grammatik und Malen besteht, gewinnt meistens ziemlich eindeutig das Malen.
Als Beispiel sollten die Kinder schon Sich in ihrem zukünftigen Traumjob malen und dazu einen kleinen Text schreiben. Ein anderes Mal schreibe ich ein Kreuzworträtsel an die Tafel oder andere kleine Aufgaben.
Es kommt also immer etwas neues.

Mit Lehrern bei einer Schulfeier

Sehr interessierte Kinder

Beim Malen und Schreiben
Eine kleine Veränderung
Durch die Gespräche und Gedanken aus dem Zwischenseminar habe ich gemerkt, dass es ein paar Dinge gibt, die mich auf Dauer etwas belasten.
Mir ist klar geworden, dass mir mein Projekt – und vor allem die Kinder – sehr ans Herz gewachsen sind. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mir ein wenig Abstand im Alltag guttun würde.
Bisher habe ich direkt bei den Schwestern und unmittelbar an der Schule gewohnt. Das hat vieles einfacher gemacht, aber es war auch manchmal schwierig, wirklich abzuschalten.
Deshalb habe ich zusammen mit Sofia entschieden, in ein neues Zimmer in Muhanga umzuziehen. Ich hoffe, dass dieser kleine Perspektivwechsel mir hilft, mit etwas mehr Abstand und neuer Energie in den Alltag zu gehen.
Halbzeit
Es fühlt sich immer noch etwas surreal an zu sagen, dass ich inzwischen über ein halbes Jahr in Ruanda lebe.
Gerade am Anfang gab es Momente, in denen sich die Zeit sehr langsam angefühlt hat. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, erinnere ich mich vor allem an viele schöne und wertvolle Momente, Begegnungen und Erfahrungen.

Ein Fußballspiel im Amahoro Stadion

Kigali bei Nacht
Ein kleines Anliegen
Zum Schluss möchte ich noch einmal auf das Spendenkonto von Sofiaaufmerksam machen.
Gerade jetzt merke ich , wie viel Gutes mit diesen Spenden bewirkt wird und wie sehr sie auch mir helfen, mein Jahr zu verbessern und genauso die Erfahrung der anderen Freiwilligen. Deshalb möchte ich alle, die diesen Rundbrief lesen, ermutigen, das Projekt und die Freiwilligen– wenn möglich – zu unterstützen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt auf das dritte Viertel meines Jahres hier in Ruanda und freue mich auf alles, was noch kommt.
Und natürlich werde ich im nächsten Rundbrief wieder davon berichten.
Turongera und Murakoze cyane – bis bald und vielen Dank fürs Lesen!
