
Es ist jetzt knapp drei Monate her, dass das Erlebnis Bolivien für mich und meine zwei Mitfreiwilligen begonnen hat. Wir starteten am 10.08. in Frankfurt, von dort ging es über Amsterdam und Bogota nach La Paz Bolivien. Der Abschied von unseren Familien und Freunden war schwer und mit vielen Tränen, aber die Erfahrungen und Menschen, die ich hier kennengelernt habe, sind es auf jeden Fall wert.
Ankommen in La Paz, Bolivien
Als wir in La Paz ankamen, wurden wir von den Koordinatoren der Partnerschaftsorganisation, der Hermandad, herzlich empfangen. Die erste Woche haben wir alle zusammen in La Paz gelebt, um dort die wichtigen Dokumente für unsere Carnét (einen bolivianischen Ausweis, damit wir die restlichen Monate hier leben können) zu beantragen. Dadurch hatten wir auch viel Zeit, La Paz zu erkunden. Auch wenn es viele nicht glauben werden, ist La Paz eine sehr kalte, aber dafür schöne Stadt. Besonders die Teleferico (mehrere Gondelstrecken, mit denen man über La Paz bis nach El Alto fahren kann) hat mich und meine Mitfreiwilligen besonders begeistert. Wir konnten auch die Mitarbeiter/innen der Hermandad besser kennenlernen, welche alle sehr nette Menschen sind, die sich gut um uns kümmern.

Aussicht auf La Paz von der Teleferico

Aussicht auf La Paz aus der Teleferico

Unser Mentor Jesús (links), ich (dahinter), Lilly eine Mitfreiwillige (rechts von mir), Luca ein Mitfreiwilliger (vor Lilly)
Erster Monat
Nach der Woche hieß es aber erst mal Abschied zu nehmen und für mich begann mein erstes Abenteuer alleine. Ich fuhr knapp 24 Stunden mit der Flotta (eine Art Reisebus) nach Riberalta. Der Ort, der die nächsten 13 Monate mein Zuhause sein wird. Am Busbahnhof wurde ich von Valdo empfangen, er betreut mich hier vor Ort und ist die erste Person, an die ich mich wende, wenn ich ein Problem habe. Er brachte mich zu der Nichte von meinen Gasteltern und ich habe schon einen Teil meiner Gastfamilie kennengelernt. Am Abend begleitete sie mich zu meiner Gastfamilie. Diese besteht aus meiner Gastmutter (Mini) und meinem Gastvater (Jorge). Sie sind auch zwei wunderbare Menschen, die sich sehr gut um mich gekümmert haben. Besonders viel habe ich mit meiner Gastmutter unternommen, als ich Freizeit vor meinem Sprachunterricht hatte. Der Sprachunterricht fand täglich mittags für zwei Stunden statt. Dort konnte ich meine Spanischkenntnisse vertiefen und meinen Wortschatz erweitern. In meiner Freizeit habe ich viel mit Alan unternommen. Er wird im Februar 2026 seinen Freiwilligendienst in Deutschland machen und ist jetzt schon ein guter Freund hier. Alan hat mir Riberalta gezeigt, was total interessant war. Riberalta liegt im Tiefland also im Norden von Boliviens. In dieser Region gibt es tropisches Klima und eine beeindruckende Artenvielfalt. An das heiße Wetter musste ich mich auch erst mal gewöhnen. Durch das tropische Klima (ca.30 Grad) gibt es hier eine längere Regenzeit, welche starken Regen mit sich bringt, wodurch man mit Stromausfall rechnen kann.

Meine Straße, wo ich in der Gastfamilie gewohnt habe

Tumichucua, ein See in der Nähe Riberalta

Der Fluss Madre de Dios
Santuario de Chaguaya
Die Hermandad hat uns deutschen Freiwilligen eingeladen, an der Pilgerfahrt teilzunehmen. Da hieß es für mich, Koffer packen und los nach Tarija. Tarija ist eine wunderschöne Stadt im Süden Boliviens. Dort waren wir für drei Tage und ich habe mich gefreut die anderen wiederzusehen aber auch viele neue Leute kennenzulernen. Es gab verschiedene christlich geprägten Einheiten, welche alle sehr interessant waren. Dort hatten wir auch nochmal die Möglichkeit weitere Freiwillige kennenzulernen, die nächstes Jahr nach Deutschland gehen werden, und sie sind alle sehr nett.

Ausflug in Tarija

Truffi (eine Art Bus, hier in Bolivien)
Semana de Hermandad
Nach der Pilgerfahrt bekamen wir die Einladung zur Semana de Hermandad, welche in Sucre stattfand. Das Programm hier ähnelte dem der Pilgerfahrt. Hier wurden wir allerdings in Gruppen eingeteilt. Wir konnten unterschiedliche Orte in der Nähe von Sucre kennenlernen, für mich ging es nach Culpina, wo wir uns in einem Gewächshaus um die medizinischen Pflanzen gekümmert haben. Zum Schluss, wurde in Sucre ein Fest für den Tag der Deutschen Einheit gefeiert und der Abschied von Cecilia. Sie ist die Chefin der Hermandad und steht in engem Kontakt mit den Bischöfen und Priestern.

Gewächshaus der medizinischen Pflanzen in Culpina


Die Stadt Sucre

Feier für den Tag der Deutschen Einheit

Lilly, Luca, ich und Caro (eine bolivianische Freiwillige, die im Februar 2026 nach Deutschland geht)
Mein Projekt
Ich habe hier in Riberalta zwei unterschiedliche Projekte. Das Centro Medico und das Centro Pastoral. Morgens arbeite ich im Centro Medico, es ist ein medizinisches Zentrum mit Ärzten/innen, Krankenschwestern und Laboranten/innen. Ich habe in der ersten Zeit im Labor ausgeholfen und die Menschen nach Symptomen gefragt, bei Blutabnahmen zugesehen und alle Dokumente ausgefüllt. Im Anschluss wurden die Blutproben untersucht und auf verschiedene Krankheiten wie Malaria oder Dengue getestet. Am Mittag geht es für mich aber ins Centro Pastoral.
Dies ist ein christliches Zentrum, wo die jüngeren Kinder nach der Schule hinkommen und weiter unterrichtet werden. Das Zentrum wird von mexikanischen Schwestern (Nonnen) geführt. Meine Aufgabe besteht hier darin, den Schwestern zu helfen und sie zu unterstützen. Beim Mittagessen ausgeben und im Unterricht (besonders Englisch) und die Kinder anderweitig beschäftigen. Besonders lieben die Kinder den Song: "Head, Shoulders, Knees and Toes".

ein Teil der Schüler/innen in der Schule

Der Pausenhof
Weitere Erlebnisse
Ich wohne seit mehreren Wochen mit anderen Freiwilligen aus Italien in einer WG. Die sind alle sehr nett und lustig und wir haben jetzt schon sehr viele schöne Momente zusammen erlebt. Erst diese Woche war ein Festival hier in Riberalta, um den Gründungstag von Beni zu feiern. Es war schön die kulturellen Tänze zu sehen und mit vielen Einheimischen zu sprechen. Ich freue mich schon, die nächsten Monate mit den anderen zu verbringen.

Meine italienischen Mitfreiwilligen Nicole, Cristina, ich und Christian

Fest zu Ehren Benis, ein traditioneller Tanz aus Beni
Letztes Wochenende hatte ich auch die Möglichkeit, mit meinen Kollegen aus dem Centro Medico zu einer kleinen Gemeinde zu fahren, die etwa 6 Stunden von Riberalta entfernt ist. Dort sind Menschen die krank sind aber keine Möglichkeit haben zu einem Krankenhaus zu fahren, also haben wir dort in einer Schule alles aufgebaut und die Menschen, konnten zu uns kommen und wir haben ihnen so gut es ging geholfen. Es war sehr interessant und ich konnte viel Neues lernen. Die Menschen dort waren auch sehr freundlich und konnten einem interessante Geschichten erzählen.

Ausflug mit dem Centro Medico

Die ersten Wochen waren trotz der neuen Eindrücke schwer für mich, da ich sehr Heimweh hatte, aber mit der Zeit ist es besser geworden und ich konnte mich einleben und eingewöhnen. Dazu habe ich hier Freunde gefunden, mit denen ich reden kann und die mir hier eine wunderbare Zeit ermöglichen.
Für mich war es am Anfang sehr frustrierend, dass ich die Sprache noch nicht gut konnte und ich das Gefühl hatte, nicht richtig verstanden zu werden. Allerdings wird auch dies besser und ich merke schon schnell eine Verbesserung.
Ich blicke dankbar und glücklich auf die bereits vergangenen Monate zurück, mit all den Herausforderungen und Erfahrungen.
