
Hola de nuevo aus Riberalta, Bolivien! In den letzten Wochen ist wieder einiges passiert. Damit dieser Rundbrief nicht zu lang wird, gibt es heute zunächst ein kleines Update aus meinem Alltag hier in Bolivien.
Ende April haben wir in der Nachmittagsbetreuung ein Fußballturnier veranstaltet. Es war schön zu sehen, wie viel Freude die Kinder daran hatten und mit welchem Ehrgeiz sie dabei waren. Am selben Wochenende organisierte auch das Vicariato ein Fußballturnier. Eine der italienischen Freiwilligen und ich spielten dabei in der Frauenmannschaft mit. Besonders lustig war, dass wir alle Trikots des FC Bayern München bekommen haben. Leider konnten uns diese nicht zum Sieg verhelfen, aber Spaß hatten wir trotzdem jede Menge.

Fußballturnier in der Nachmittagsschule

Fußballturnier des Vicariatos


Zurzeit gibt es in Bolivien wieder zahlreiche sogenannte „Bloqueos“. Dabei werden Straßen von protestierenden Gruppen blockiert, um politischen oder wirtschaftlichen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Diese Form des Protests hat in Bolivien eine lange Tradition, da sie das öffentliche Leben und den Transport im ganzen Land erheblich beeinflussen kann. Die aktuellen Blockaden stehen vor allem im Zusammenhang mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Landes. Viele Menschen protestieren gegen steigende Lebenshaltungskosten, die anhaltende Treibstoffknappheit und politische Entscheidungen der Regierung. In den vergangenen Wochen haben sich die Proteste ausgeweitet, wodurch zahlreiche wichtige Verkehrsverbindungen unterbrochen wurden. Wie stark sich diese Situation auf den Alltag auswirkt, habe ich selbst erlebt. Ende Mai machte ich mich auf den Weg nach Santa Cruz, um meine Mama und eine Freundin von ihr zu treffen, die mich besuchen kamen. Für die Reise von Riberalta nach Santa Cruz benötigt man normalerweise etwa 24 Stunden.
Diesmal war ich insgesamt 47 Stunden unterwegs und saß davon mehr als zwölf Stunden an einer Straßensperre fest. Solche Verzögerungen sind derzeit leider keine Seltenheit. Auch in Riberalta sind die Auswirkungen deutlich spürbar. Waren und Treibstoff erreichen die Stadt teilweise nur verspätet, die Preise für Lebensmittel sind stark gestiegen, und flüssige Milch ist inzwischen nur noch schwer zu bekommen. Reisen lassen sich kaum noch verlässlich planen, weshalb viele Menschen täglich die Nachrichten verfolgen, um herauszufinden, welche Straßen noch passierbar sind. Obwohl die Blockaden oft weit entfernt stattfinden, beeinflussen sie das Leben im ganzen Land.

Blockade auf dem Weg nach Santa Cruz
Nach diesem kleinen Abenteuer war ich schließlich sehr froh, meine Mama wiederzusehen. Unsere ursprünglichen Urlaubspläne konnten wir zwar nicht umsetzen, doch wir fanden einige schöne Alternativen. Gemeinsam fuhren wir nach Samaipata und hatten die Gelegenheit, den Ort näher kennenzulernen.
Dort besuchten wir „El Fuerte“, eine beeindruckende archäologische Stätte, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Anlage besteht aus einem riesigen, in den Felsen gehauenen Zeremonialzentrum sowie den Überresten einer Siedlung, die im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen Kulturen genutzt wurde, bevor sie schließlich von den Inka übernommen wurde. Es war spannend, mehr über die Geschichte dieser Region zu erfahren und die beeindruckende Anlage aus nächster Nähe zu sehen. Anschließend reisten wir weiter nach Tarija, ganz im Süden Boliviens. Die Region ist vor allem für ihren Weinbau bekannt. Dort machten wir eine Weintour und probierten den traditionellen Singani, die bolivianische Nationalspirituose.
Am darauffolgenden Tag fuhren wir zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man Kondore beobachten kann. In der Nähe befindet sich ein kleines Dorf mit nur etwa 35 Einwohnern. Eine Bewohnerin begleitete uns auf unserem Weg und erzählte uns einiges über das Leben dort. Eine weitere Frau bereitete für uns ein leckeres bolivianisches Mittagessen zu. Diese Begegnungen machten den Ausflug zu einem ganz besonderen Erlebnis und gaben uns einen authentischen Einblick in das Leben der Menschen vor Ort.

„El Fuerte“ Samaipata



Weintour in Tarija
Zum Abschluss ihres Besuchs kam meine Mama noch mit nach Riberalta, um meinen Alltag hier kennenzulernen. Ich zeigte ihr die Stadt, meine Projekte und die Orte, die für mich inzwischen zu einem zweiten Zuhause geworden sind. Besonders schön war es zu sehen, wie interessiert die Schülerinnen und Schüler waren. Sie stellten meiner Mama unzählige Fragen und freuten sich sehr über ihren Besuch.

Besuch beim Centro Médico

Mitte Juni fand das „Encuentro Zonal de Hermandad“ der Amazonas-Zone statt. An diesem Treffen nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus den verschiedenen Departamentos im Norden Boliviens teil. Inhaltlich beschäftigten wir uns mit Themen rund um den christlichen Glauben sowie mit Möglichkeiten, die Arbeit in unseren jeweiligen Pfarreien (Parroquias) zu stärken und weiterzuentwickeln.
Besonders gefreut habe ich mich darüber, viele Mitglieder der Hermandad wiederzusehen. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, Kenia zu treffen, die im vergangenen Jahr als bolivianische Freiwillige in Deutschland war. Es war schön, sich mit ihr auszutauschen und gemeinsam auf die vielfältigen Erfahrungen unseres Freiwilligendienstes zurückzublicken.
Die Begegnungen und Gespräche während des Treffens haben mich sehr bereichert. Mit Vorfreude blicke ich auf die kommenden Wochen und bin gespannt, welche Erfahrungen und Herausforderungen noch auf mich warten.

Amazonas Treffen der Hermandad
So geht eine weitere spannende Zeit in Bolivien zu Ende. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen, die Begegnungen und die vielen kleinen und großen Abenteuer, die das Leben hier mit sich bringt.
Bis zum nächsten Rundbrief und viele Grüße aus Riberalta!

Ehemalige Bolivianische Freiwillige Kenia
