Bolivien: 3. Rundbrief von Kaja Dittmann
Bolivien
Kaja Dittmann
13.12.2025
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Nun ist es schon so weit und ich melde mich in einem letzten Rundbrief mit einem „Hola“ aus Deutschland und leider nicht mehr aus Cochabamba zurück. Denn ich bin wieder zurück in Deutschland und die 13 Monate sind schon vorbei. Gerne lasse ich meine letzten Monate noch einmal Revue passieren. Deswegen knüpfe ich an meinen letzten Rundbrief an.

Leitenden-Kurs bei den Pfadfinder:innen

Es ist April und ich gehe wie gewöhnlich auf die Arbeit in meinem Projekt. Ich habe mich mittlerweile gut in meine Pfadfindergruppe eingefunden und helfe bei den Planungen der Gruppenstunden mit. Ich habe in meinem Alltag meine Routinen und komme gut klar. Ende April stand dann schon Ostern vor der Tür und ich habe mit Pfadfinder:innen aus ganz Bolivien bei einem nationalen Lehrgang (Woodstock oder auf Spanisch: „Insignia de Madera = IM“) zur Weiterbildung als Leitende teilgenommen. Diese Weiterbildung hat sich an den letzten Kurs im November angeschlossen. Da das Nationalzentrum der Pfadfinder:innen in Cochabamba ist, war mein Weg dorthin nicht weit und ich konnte bei mir zu Hause schlafen. Die Pfadfinder:innen aus anderen Städten haben beim Nationalzentrum gezeltet. Der Kurs ging von Gründonnerstag bis Ostersonntag, somit hatte ich nicht viel von Ostern mitbekommen, was österliche Traditionen in Bolivien sind etc. was ich aber gar nicht so schlimm fand, da der Lehrgang richtig cool war und ich sehr viel gelernt habe. Von vielen verschiedenen Spielen bis hin zu Theorie bspw. über die Rituale mit Lobatos in einer Manada (= Meute, die kleinsten, Wölflinge der Pfadis). Beim IM waren glücklicherweise auch ein paar meiner Freund:innen im gleichen Kurs wie ich, sodass wir während der Module zusammen immer sehr viel Spaß hatten. Denn bei diesem IM habe ich schon sehr viel mehr verstanden als beim letzten IM im November. Außerdem habe ich viele Kontakte knüpfen können zu Pfadis aus anderen Städten Boliviens und mich über deren Arbeit als Pfadfindende austauschen können.

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Meine Kleingruppe beim Kurs

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Der Kurs - Lobatos III, wo ich Teil war :)

Besuch von meiner Familie

Während des IM am Karsamstag kamen meine Mutter und meine Schwester mich besuchen und ich konnte ihnen meine Lieblingsecken in Cochabamba zeigen und sie lernten meine Gastfamilie kennen, bei der ich einen Monat gelebt hatte. Dabei sollte es aber nicht bleiben, denn wir reisten gemeinsam weiter durch Bolivien. Von Cochabamba ging es über Sucre, der Hauptstadt Boliviens, zum Salar de Uyuni, der weltweit größten Salzwüste, und zur Copacabana an den Titicaca-See. Danach musste meine Mutter leider schon wieder nach Deutschland zurückkehren. Meine Schwester und ich reisten noch nach Peru weiter. Dort besuchten wir die ehemalige Hauptstadt der Incas – Cusco und von dort aus besichtigten wir den berühmten Machu Picchu und den Regenbogenberg. Damit war dann auch schon der Familienbesuch wieder vorbei und ich kehrte in meinen gewohnten Alltag zurück und es stand ein nächster Abschied an. Denn ich musste mich von meiner Arbeitskollegin und Freundin Kelly verabschieden, mit der ich von Beginn an in derselben Kindergruppe zusammengearbeitet hatte. Kelly ist auch Freiwillige und war für ein Jahr in Cochabamba. Was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wusste, ist, dass sie mich kurz vor Ende meines Freiwilligendienstes in Cochabamba noch einmal besuchen würde, was mich riesig gefreut hat. Dazu später aber mehr.

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Meine Familie und ich beim Salar de Uyuni

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Machu Picchu

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Regenbogenberg

Nationales Hermandad-Treffen in Potosí

Mitte Mai stand ein nationales Treffen der Hermandad in Potosí an. Dazu fuhren wir 9 Stunden von Cochabamba aus mit einem Nachtbus mit viel Gepäck und vielen Gesprächen. Bei diesem Treffen waren wir etwa 150 Teilnehmer:innen, denn aus jedem Bistum Boliviens kam eine Delegation und ich war Teil der Delegation aus Cochabamba. Da als Programmpunkt eine „noche cultural“ geplant war, sollte jede Delegation einen typischen folklorischen Tanz mit den entsprechenden Trachten vorführen. Dazu trafen wir uns vorher und probten gemeinsam. Einer der typischen Tänze aus Cochabamba heißt Cueca. Dafür haben wir uns extra die Trachten vorher ausgeliehen und hatten für unseren Auftritt noch traditionelles Essen und Trinken aus Cochabamba dabei: Rosquette (rundes Gebäck aus Teig wie Löffelbiskuit und außen mit einer Glasur aus süßem Eischnee) und Chicha (fermentiertes alkoholisches Maisgetränk). An dem Wochenende starteten wir jeden Morgen gemeinsam mit einem Gottesdienst in den Tag und dann hatten wir zu vielen verschiedenen Themen Workshops, in die wir aufgeteilt wurden, wie bspw. zur sozial-politischen Situation in Bolivien. Als Highlight machten wir dann bei der aus Deutschland kommenden 72-Stunden-Aktion mit. Dabei gingen wir mit Jugendlichen von vor Ort aus Potosí los und sammelten Müll. Auch Bischöfe und ein paar Pastoren haben dabei mitgemacht. Als dann der Abend mit den Vorführungen der folklorischen Tänze anstand, hatten die Verantwortlichen der Hermandad die deutsche Tracht an, um die Freundschaft mit Deutschland zu symbolisieren. Als wir Freiwillige auf die Bühne gerufen wurden, tanzten wir zusammen das Fliegerlied (Das war ein spontaner Einfall von uns, um einen deutschen Tanz auf die Bühne zu bringen, denn schon oft habe ich mir bzw. wurde mir die Frage gestellt, welche Tänze typisch deutsch sind. Habt ihr Leser:innen, da eine Idee? Wenn ja, gerne her damit 😉). Zum Abschluss des Wochenendes besuchten wir alle zusammen die Mine in Potosí, in der tatsächlich heute noch von Minenarbeitenden wertvolle Rohstoffe abgebaut werden. Die Rohstoffe sind z. B. Silber, Kupfer, Zinn, Zink und Kupfer. Wir fuhren in die Mine, um noch ein bisschen was von Potosí zu sehen bzw. die Geschichte kennenzulernen, denn Potosí galt im 16. und 17. Jahrhundert als eine der reichsten Städte der Welt, da sie Spanien mit Silber belieferten. Potosí liegt auf ca. 4.000 m Höhe, dementsprechend war es ziemlich kalt und ich hatte die ganze Zeit Thermokleidung an und habe in einem dicken Schlafsack geschlafen. Es wurde für das Wochenende tatsächlich auch ein kleines Team bestehend aus 2 Ärzt:innen und medizinischen Fachkräften eingerichtet, da viele Menschen Probleme mit der Höhe hatten. Höhenprobleme äußern sich bspw. durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen… . Zum Glück hatte ich mit der Höhe keine Probleme, bis auf schnell außer Atem zu sein.  

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Delegation Cochabamba

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Verantwortliche der Hermandad in deutscher Tracht - deutsche Freiwillige in bolivianischer Tracht

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In Arbeitskleidung von Minenarbeiter:innen

Kurztrip nach Tarija

Eine Woche später traf ich mich mit den anderen Freiwilligen als kleine Auszeit in Tarija, einer kleinen Stadt an der Grenze zu Argentinien, in der ein Freiwilliger von uns wohnt. Am Samstag zeigte er uns die besten Spots in Tarija und für den Sonntag hatte er eine Weintour gebucht, da Tarija für sehr guten Wein bekannt ist. Daher sage ich immer, dass Tarija in Bolivien das deutsche Trier ist 😉weil klein, aber fein mit Wein… Nach dem sehr entspannten Wochenende ging es für mich dann über Umwege zurück nach Cochabamba. Denn von Tarija aus gab es aufgrund von Kraftstoffmangel keinen Direktbus und wir mussten zuerst nach Oruro fahren und von dort aus nach Cochabamba. Aber glücklicherweise war ich nicht allein unterwegs und deswegen war es halb so wild.

Wie ich schon erwähnt hatte, gibt es in Bolivien aktuell Probleme mit Kraftstoffmangel, sodass man teilweise 5-10 Stunden mit dem Auto in einer Schlange stehen muss, um zu tanken. Aktuell hat sich die Situation wieder verbessert, aber es war schon sehr schlimm zu sehen, wie das Land in einer akuten Krise steckt.

Kurzer Hintergrund zum Kraftstoffmangel:

Der aktuelle Kraftstoffmangel in Bolivien entsteht vor allem, weil dem Land die Devisen (ausländische Währungen) fehlen, um genug Benzin und Diesel aus dem Ausland zu importieren. Dazu kommen logistische Probleme und eine sehr geringe eigene Produktion, wodurch es regelmäßig zu Engpässen an Tankstellen kommt.

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Weit und breit Weinberge

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Camin = Zeltlager

Mitte Juli stand von meinem Stamm „Incas“ ein großes 5-tägiges Zeltlager an. Wir fuhren mit voll bepackten Bussen ca. 1 Stunde zu unserem Zeltplatz. Dieser Zeltplatz ist etwas außerhalb von Cochabamba gelegen und liegt in den Bergen. Mit ca. 25 Leitenden und 70 Kindern mussten wir alle Sachen etwa 1 km einen Berg hochtragen, da der Bus nicht weiter hochfahren konnte. Als das dann alles erledigt war, bauten wir die Zelte auf, richteten den Strom ein und bereiteten die Materialien vor, die wir für einige Aktivitäten brauchten. Denn das Motto vom Zeltlager war „wilder Westen“, sodass wir auch passende Kleidung bzw. Kostüme einpacken sollten, um das Thema besser zu verwirklichen. Auf dem gesamten Zeltplatz gab es keine Sanitäranlagen, sondern nur Plumpsklos. Dementsprechend haben wir uns immer in einem kleinen Bach die Zähne geputzt und uns gewaschen. Selbstverständlich freute ich mich bei der Rückkehr nach Hause auf eine heiße Dusche. Da der Zeltplatz so hoch und weiter weg gelegen war, hatten wir 5 Tage lang kein Netz, was ich aber im Nachhinein richtig gut fand, da ich so weniger abgelenkt war und logischerweise nicht mein Handy brauchte und die Zeit mit meinen Freunden verbringen konnte, denn es gab immer etwas zu tun. Die Tage starteten immer mit einem gemeinsamen Frühstück, danach war die erste Hälfte des Tages mit verschiedenen Stationen gefüllt, die die Kinder immer gruppenweise erledigen sollten und so gleichzeitig Punkte sammeln konnten, die am Ende für die Siegerehrung wichtig wurden. Danach haben wir Leitenden zusammen Mittag gegessen. Denn wir hatten drei Leiter, die für das Kochen zuständig waren. Die Kinder kochten immer für sich selbst in ihren kleinen Gruppen (6-10 Kinder). Parallel fand auch ein Kochwettbewerb statt, der auch von Leitenden durchgeführt wurde, indem sie von allen Kindern das Essen probierten und dann Punkte vergaben. Nachmittags stand dann die zweite Runde mit verschiedenen Stationen an, bei der es entweder vom Vormittag die gleichen Stationen waren oder neue aufgebaut wurden. Eine Station, die ich bspw. ganz allein gemacht habe, war, dass die Kinder aus einer zugedeckten Schüssel verschiedene kleine Gegenstände heraussuchen mussten. Allerdings war die Schüssel mit Wasser, Steinen, Blättern etc. gefüllt, damit es schwieriger war, die Gegenstände zu finden. Bei einer anderen Station bauten wir einen Minihochseilgarten, da die Aufgabe war, mit Gurten und einem speziellen Schritt vom einen ans andere Ende zu kommen. Danach gab es Abendessen und nochmals Programm. Das Abendprogramm war immer ein Spiel, was wir mit allen Kindern gemeinsam gespielt haben. Wir Leitenden quatschten abends meistens noch am Lagerfeuer und ein paar hatten Nachtwache, die zu unterschiedlichen Uhrzeiten zu dem Bereich der Kinder gingen, um zu schauen, ob alles gut ist. In der Nacht war es immer besonders kalt. Wir haben mit zwei Hosen, Pullis, einer Mütze, einem dicken Schal, einem Schlafsack und vielen Decken in einem Zelt geschlafen. Um ehrlich zu sein, waren diese Nächte einer der kältesten, die ich im Zelt je erlebt habe. Allerdings macht es auch Sinn, da im Juli in Bolivien Winter ist, was wir im Zeltlager deutlich zu spüren bekommen haben.

Einen schönen Moment möchte ich euch nicht vorenthalten: Bei den Pfadfinder:innen ist es üblich ein Lied mit Bewegungen vorzusingen, das die Kinder dann nachsingen können. Beim Zeltlager gab es eine Nacht, bei der wir mit den Lobatos (den Kleinsten) in einem Kreis um das Lagerfeuer herumstanden. Und dann habe ich mir gedacht, jetzt ist der Moment, in dem ich zum ersten Mal auch ein Lied anleiten kann, was ich dann auch mit Aufforderung der Kinder getan habe und ich war an manchen Stellen im Text zwar etwas unsicher, aber im Nachhinein hat es viel Spaß gemacht und ich war richtig stolz auf mich, dass ich mich getraut habe. In dem Moment ist mir klar geworden, dass ich mich so richtig angekommen wohlfühle.

Das Zeltlager ist für mich ein echter Marmeladenglasmoment voller schöner Erinnerungen.

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Lagerfeuer + Sternenhimmel

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Letzter Urlaub in den Tropen

Nachdem ich aus Tarija zurückgekehrt war, kehrte ich wieder zu meiner Arbeit zurück. Ich ging wie gewöhnlich samstags zu den Gruppenstunden und ich traute mich nochmal das Lied anzuleiten. 3 Wochen später stand ein letzter Urlaub auf dem Plan: Eine Freundin aus Deutschland kam zu Besuch und wir fuhren für 3 Tage nach Rurrenabarque, in den tropischen Teil Boliviens, und sahen ganz viele Alligatoren, Capybaras (Wasserschweine), Schlangen, Affen und ganz viele Schildkröten etc. Es war sehr beeindruckend, diese Tiere in ihrer freien Wildbahn zu sehen. Dann ging es wieder zurück nach Cochabamba, wo noch vieles auf mich gewartet hatte. Denn das Wochenende darauf stand mein 20. Geburtstag an, den ich mit meinen Freund:innen verbracht habe. Wir waren erst etwas essen und dann gab es als Überraschung eine personalisierte Geburtstagstorte für mich. Dieser Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben, da dieser unerwartet sehr schön wurde, weil wir noch am Tag selbst geplant haben, was wir machen. Als Person, die gerne einen Plan hat, war das stressig für mich, aber damit musste ich lernen umzugehen. Eine Woche später veranstaltete ich gemeinsam mit einer Freundin eine Geburtstagsparty, zu der wir all unsere Freunde einluden. Auch diese Party war wunderschön und so durfte ich meinen Geburtstag in vollen Zügen mit all meinen Liebsten in Bolivien verbringen. Danach gab es dann am 05. August den „Día del dirigente“, der so viel wie der Tag der Leitenden/Betreuenden bedeutet. An diesem Tag wurde für alle Leitenden der Pfadfinderstämme ein Abendessen organisiert, an dem die Leitenden mit besonderen Leistungen/Engagement geehrt wurden. Und auch ich wurde geehrt und durfte auch vor allen Leitenden, die beim Abendessen dabei waren, ein paar Worte sagen, die ich genutzt habe, um allen Anwesenden für die Unterstützung zu danken. Als Erinnerung habe ich einen personalisierten Christo bekommen.

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Sonnenaufgang in den Tropen

Tinkus

Währenddessen hatte ich mir noch überlegt, dass ich gerne bei den Straßenumzügen von Cochabamba mitmachen würde. Und so hörte ich mich um und dann meldete ich mich bei einer der größten „Fraternidades“ = Bruderschaft des Tinkus an, um mitzutanzen. Tinkus ist einer von vielen verschiedenen Tänzen, die es in Bolivien gibt. Und so ging ich mindestens an 4 Tagen der Woche abends 2 Stunden zum Training auf der Straße und lernte dort schnell viele coole Leute kennen.

Kurzer Exkurs zu Tinkus:

Tinkus ist ein traditioneller Tanz aus Bolivien, der seinen Ursprung bei den Quechua- und Aymara-Gemeinschaften in den Anden hat. Er stellt symbolisch Kämpfe zwischen verschiedenen Dorfgemeinschaften dar, begleitet von rhythmischer Musik und bunten Kostümen. Heute wird er meist als folkloristischer Tanz auf Festen aufgeführt und steht für Kraft, Gemeinschaft und kulturelle Identität.

Dann stand schon die größte Entrada an: und zwar die anlässlich der „Virgen de Urkupiña“. In Bolivien spielen die Jungfrauenverehrungen (verschiedene Marienfiguren) eine ganz zentrale Rolle. Die Virgen de Urkupiña genauer gesagt aus Quillacollo bei Cochabamba wird jedes Jahr im August gefeiert. Ihre Feier zieht jedes Jahr hunderttausende Pilger an und sie gilt als „Jungfrau der Wünsche“. Somit habe ich Samstag und Sonntag jeweils 4 Stunden mitgetanzt und hatte ganz viel Spaß dabei. Dafür wurde ich sogar professionell geschminkt, was ich ziemlich cool fand, weil das für mich das erste Mal war. Insgesamt bin ich sehr dankbar für dieses Erlebnis, denn so konnte ich noch tiefer in die Kultur Boliviens eintauchen.

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Die Entradas enden immer in dieser Kirche, während ein Pastor predigt.

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In einer Pause während dem Tanzen ;)

Präsidentschaftswahlen

Als dieses Wochenende vorbei war, musste ich mich erstmal ein bisschen ausruhen und meine Erlebnisse verarbeiten. Eine Woche später standen die Präsidentschaftswahlen in Bolivien an. An dem Wahlsonntag sind mir einige Unterschiede im Vergleich zu deutschen Wahlen aufgefallen:

1. Am ganzen Tag von 0 bis 0 Uhr dürfen keine Autos fahren.

2. Man muss auf riesigen Listen seinen Namen suchen, wo dann draufsteht, in welchen Raum man zum Wählen gehen muss.

3. Wählen ist indirekt verpflichtend, da man nach dem Wählen eine Art Ausweis aus Papier bekommt, der eine Gültigkeit von 3 Monaten hat. Ohne diesen Ausweis kann man nichts bei der Bank erledigen und hat dadurch große Einschränkungen.

Das Wahlergebnis an diesem Wochenende führte zu einer Stichwahl, die im Oktober stattgefunden hat, das habe ich vor Ort nicht mehr mitbekommen. Aber kurze Recherche: „Rodrigo Paz Pereira ist ein moderater, reformorientierter Politiker, der mit seinem Motto „Kapitalismus für alle“ einen historischen Bruch mit fast 20 Jahren linker Regierungsführung in Bolivien einleitet.“ (Stand: 19.11.2025)

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Die riesige Liste der Namen

Letzte Zeit und Abschied nehmen

Langsam aber sicher merkte ich dann auch, dass sich mein Jahr in Bolivien langsam dem Ende zu neigt, denn der nächste Freiwillige Luca kam an. Er wird mein Projekt übernehmen und ist somit mein Nachfolger. Aber davon wird er euch sicherlich berichten. Ich habe versucht ihm alles so gut wie möglich zu zeigen und ihn in unser Projekt und das Leben dort einzuführen. Außerdem haben wir beide noch den oberen Teil des Distrikts (das Haus, wo ich wohne) gestrichen und hatten viel Spaß dabei.

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Empfang von Luca

Währenddessen sind meine letzten Tage im Projekt angebrochen und mit meiner Pfadfindergruppe Incas wurde ich zu einer Grillparty eingeladen, die sie für mich organisiert haben. Für „meine“ Kinder, mit denen ich die ganze Zeit gearbeitet hatte, bereitete ich als Abschiedsgeschenk Armbänder vor, um sie ihnen zu schenken. Meine letzte Zeit in den Projekten war sehr emotional für mich, da mir alles im Großen und Ganzen sehr viel Spaß gemacht hat. Natürlich gab es auch Momente, die nicht so schön waren, in denen ich mich unwohl gefühlt habe etc. Meine Kolleg:innen und die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen. Und auch mit meinen Freund:innen traf ich mich einige letzte Male. Diese Momente habe ich alle aufgesaugt, denn vor allem am Ende habe ich gemerkt, dass ich richtig angekommen bin und mich sehr wohlgefühlt habe, weil ich unter anderem mit meinem Spanisch so weit gekommen bin, dass ich Witze machen kann und mich in Gruppengesprächen beteiligen kann, was einen riesigen Unterschied macht. Durch die ganzen Erfahrungen, die ich sammeln durfte, fühlte ich mich am Ende dazugehörig und meine Freunde haben mir teilweise gesagt, dass ich Bolivianischer wäre als sie selbst. In der letzten Woche war eine meiner liebsten Kolleg:innen Kelly wieder zu Besuch in Cochabamba und sie hat mir bei der Organisation meiner Abschiedsfeier geholfen und wir unternahmen viel zusammen.

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Meine liebsten Kolleginnen beim Tackoloma - der Kindergruppe

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An unserer Geburtstagsparty

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Ein letzter Ausflug mit Mireya

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Ein ganz normaler Tag auf dem Weg zur Arbeit

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Bei meiner Abschiedsfeier

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Mein Abschiedsgeschenk für die Kids

Am Ende hieß es dann Sachen packen, Sachen loswerden, die ich nicht mitnehmen wollte, und aufräumen, damit Luca einziehen konnte. Und dann kam der Tag, an dem ich zunächst nach Santa Cruz flog, um mich dort mit den anderen Freiwilligen zu treffen, um dann nach Deutschland zu fliegen. Dieser Abschied in Cochabamba war sehr „komisch“, weil ich zum ersten Mal wusste, dass ich erstmal nicht zurückkommen werde. Außerdem hatte ich Angst bzw. Respekt vor diesem Tag, denn nach 13 Monaten fühlte sich diese Stadt wie mein zweites Zuhause an. Einige Freunde kamen noch mit zum Flughafen, um mich zu verabschieden. In dieser Situation war ich sehr überfordert, da ich es nicht realisieren konnte. Als ich dann allein in der Sicherheitskontrolle war, spürte ich eine innere Leere. Gleichzeitig entstand ein endloses Gedankenkarussell in meinem Kopf, da ich natürlich auch die baldige Ankunft in Deutschland vor mir hatte. Als ich angekommen bin, musste ich mich erstmal neu sortieren und in Deutschland eingewöhnen und Woche für Woche wurde es besser. Denn ich hatte gute Ablenkung von meinen Freund:innen und Familie und ich merkte deutlich, wie fern sich Bolivien von hier aus anfühlt.

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Verabschiedung am Flughafen in Cochabamba

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Finale Verabschiedung in Santa Cruz am Flughafen

Ein großes Danke an alle!

So und das war´s auch schon von mir und meinen Erlebnissen. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, möchte ich mich bei allen Leser:innen, meinen Freund:innen und meiner Familie bedanken, die mich, während meines Freiwilligendienstes, begleitet haben. Danke für euren emotionalen Support, euer Zuhören und euer Interesse. Danke auch an SoFiA, weltwärts und die Hermandad, die es ermöglicht haben, ein Jahr im Ausland zu verbringen und immer zur Unterstützung da waren.

Diejenigen, die sich überlegen einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen, kann ich nur ermutigen diesen Schritt zu wagen, denn ich habe für mich persönlich die richtige Entscheidung getroffen und dieses Jahr hat mich sehr bereichert, verändert und mich wachsen lassen. Ich möchte aber auch nicht den Freiwilligendienst romantisieren, denn ein Freiwilligendienst ist immer von Höhen und Tiefen geprägt und bringt seine Herausforderungen mit.

Dennoch hoffe ich, dass ich euch von Bolivien begeistern konnte!

Gracias y hasta pronto Bolivia!

Kaja

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"Stärke mein Bolivien"