Brasilien: 3. Rundbrief von Linus Rischbieter
Brasilien
Linus Rischbieter
22.08.2026
undefined blog cover image

Liebe Leserinnen und Leser, mittlerweile bin ich schon fast ganze 12 Monate hier in Brasilien und seit dem letztem Rundbrief habe ich schon wieder super viel erleben dürfen:

Rio de Janeiro

Anfang Mai ging es für mich mal wieder nach Rio. Hauptsächlich gab mir das die Möglichkeit, nochmal meine dort wohnende Familie zu besuchen, wofür ich jedes Mal super dankbar bin. Darüber hinaus hat in dem Zeitraum in dem ich dort war Shakira ein Gratiskonzert an der Copacabana gegeben. Zusammen mit mehr als 2 Millionen anderen (es war wirklich sehr voll) hab ich mir das selbstverständlich nicht entgehen lassen. Neben Shakira selbst gab es Gastauftritte verschiedenster in Brasilien bekannter Musiker. Außerdem war ich mit einem Kumpel von mir aus Rio im Maracanã bei den Spiel Flamengo x Vasco, den beiden wohl bedeutendsten Teams aus Rio.

Card image

Flamengo gegen Vasco im Maracanã

Besuch aus Deutschland

Auf der Rückreise habe ich dann einen Stop in Fortaleza, der viertgrößten Stadt Brasiliens gemacht. Sie ist außerdem Hauptstadt des Bundesstaates Ceará, einem Nachbarstaat “meines Bundesstaates”. Dort habe ich mich mit einem Kumpel getroffen, der mich aus Deutschland besuchen bekommen war. Nachdem wir dann 2 Tage lang die wichtigsten Tourispots abgeklappert haben, sind wir gemeinsam nach Parnaíba, wo er etwa 1 Woche verbracht hat, bevor es ihn dann weiterzog. Auch hier haben wir einiges an touristischen Programm gemacht, hatten aber auch einiges an Alltag. Während seines Aufenthalts ist mir nochmal besonders aufgefallen, wie viele Dinge für ihn super aufregend und neu waren, die mir gar nicht mehr besonders auffallen, da sie schon alltäglich geworden sind. Das hat mir nochmal besonders gezeigt, wie gut ich mich mittlerweile hier dann doch schon eingelebt habe.

Card image

Fortaleza-CE

Pedro Segundo

Anfang Juni war ich zusammen mit der Familie von meinem besten Freund hier über ein verlängertes Wochenende auf einem Musikfestival in Pedro Segundo, einer kleineren Stadt etwa 2h entfernt im Inland Piauís. Da das Klima dort deutlich milder ist, wird die Stadt auch als „die Schweiz von Piauí“ bezeichnet. Ganz so kalt wie in den schweizer Bergen war es zwar nicht, trotzdem deutlich angenehmer als in Parnaíba. Über die verschiedenen Tage des Festivals sind dann diverse Musiker aufgetreten, die mir persönlich mal mehr und mal weniger viel gesagt haben, im großen und Ganzen aber innerhalb Brasiliens alle recht bekannt waren. Während abends die Shows waren, haben wir tagsüber die Stadt und ihre Umgebung erkundigt und sind über Wanderwege zu mehreren Wasserfällen gelaufen. Da die Stadt für brasilianische Verhältnisse recht in der Nähe von Parnaíba liegt, hat man während der Zeit dort stets viele bekannte Gesichter gesehen.

Card image

Festival de inverno - Pedro Segundo

Festas Juninas

Im Juni finden in Brasilien stets die Festas Juninas („die Juni-Feste“) statt. Es ist neben dem Karneval das wohl bedeutendste Volksfest in Brasilien und insbesondere hier in der Kultur des Nordostens stark verankert. Ursprünglich gedenkt die Festzeit drei katholischen Heiligen. In der Praxis dominieren jedoch vor allem von bunt verkleideten Tanzgruppen aufgeführte, traditionelle Volkstänze (quadrilhas) und die für die Zeit typische Musikrichtung forró.

Card image

Quadrilha

Weltmeisterschaft

In meinem Bericht aus dem Fußballland Brasilien darf natürlich zu dieser Zeit eine Sache nicht unerwähnt bleiben: die Fußball-WM. Wer schon einmal während einer Weltmeisterschaft in Brasilien war, wird schnell bemerken, wie stolz die Brasilianer, wenn auch durchaus noch traumatisiert von der berüchtigten 7:1 Niederlage im Halbfinale 2014, darauf sind, das einzige Land mit 5 Sternen auf der Brust  zu sein. Passend dazu ging es schon lange vor dem Eröffnungsspiel nur noch um ein Thema: o hexa, der so lang ersehnte sechste WM-Titel. Während die brasilianische Nationalmannschaft auf dem Rasen versucht Tore zu schießen, steht abseits des Rasens ein ganzes Land still. Die Schulen bleiben zu, die Geschäfte geschlossen und eine ganze Nation sitzt vor dem Fernseher. Wenn zumindest vormittags die Schule doch offen bleibt, kommt ein jedermann, ob Schüler, Lehrer, Hausmeister oder deutscher Freiwilliger, selbstverständlich mit gelbem Trikot. So wie zu Anfang der WM ganz Brasilien mit Eifer ihre Mannschaft anfeuerte, so machte sich nach der Niederlage gegen Norwegen entsprechende Ernüchterung breit. Dass es für den Erzrivalen Argentinien gleichzeitig so gut lief, fungierte dabei umso mehr als Stimmungskiller. Während des Finals fühlte sich dann ein ganzes Land für 120 Minuten recht spanisch:) Nicht wenige hier zählen sicherlich schon die Tage, bis sich Brasilien 2030 dann endlich wieder als Spitze des Fußballs krönt.

Projektarbeit

In der Schule hat sich mittlerweile ein richtig guter Alltag eingespielt. Während sich im Laufe der ersten Monate meine genauen Aufgabenbereiche zum Teil etwas verändert hatten (z.B. in welcher Klasse ich genau bin), hat sich nun in den letzten Monaten eine super sinnvolle Routine entwickelt, wo ich mich denke ich am sinnvollsten einbringen kann. Die Arbeit mit den Kindern finde ich wirklich schön und ich freue mich immer sehr, wenn die Kinder sich auch freuen mich zu sehen. Insgesamt haben die Kinder mich alle von Anfang an super gut aufgenommen und akzeptiert. Ich werde sicherlich den einen oder anderen etwas vermissen.

Nationalpark Lençóis Maranhenses

Anfang Juli bin ich nochmal mit einem Teil meiner Familie aus Rio (und Freunden von ihnen) verreist. Dafür bin ich erst einmal mit dem Bus nach São Luís gefahren, der Hauptstadt des westlich an Piauí grenzenden Staates Maranhão. Nachdem wir uns die Stadt selbst kurz angeguckt haben, sind wir dann gen Osten Richtung Parnaíba und haben in verschiedenen Etappen den Nationalpark Lençóis Maranhenses besucht. Der Park an sich besteht aus schier endlosenSanddünen. Anders als in trockenen Wüsten kommt in dem Fall jedoch dazu, dass sich in den Dünentälern Wasser aus der Regenzeit ansammelt, so dass die „Sandwüste“ voller wunderschöner Süßwasserlagunen ist.

In Parnaíba angekommen habe ich dann noch etwas die Stadt gezeigt und wir haben einige Ausflüge hier vor Ort gemacht, bevor meine Familie dann weitergezogen ist und ich hier in Parnaíba geblieben bin.

Card image

Lençóis Maranhenses

Mein Freiwilligendienst neigt sich mit dem Schreiben dieses Rundbriefs leider schon dem Ende zu. Während in der Schule im Juli Ferien sind, verbringe ich meine letzten Wochen damit, nochmal das Maximum an Zeit und gemeinsamen Erlebnissen mit meinen Freunden und mir lieb gewonnenen Personen herauszuholen und meinen Aufenthalt hier einfach nochmal in vollen Zügen zu genießen. Als ich vor ungefähr einem Jahr in Deutschland in den Flieger gestiegen bin, tat ich das sicherlich mit der Erwartung, hier in Brasilien ein tolles, ereignisreiches Jahr verbringen zu dürfen. Wie viel dann aber letztendlich tatsächlich passiert ist, wie viele wunderbare Menschen ich kennenlernen durfte und wie sehr ich mich selber während dieses Jahres weiterentwickelt habe, das habe ich im August 2025 wohl kaum erahnt. Ich bin einfach nur unglaublich dankbar für diese Erfahrung und alle, die mich dabei begleitet und unterstützt haben, sowohl in Brasilien als auch aus Deutschland aus.

Die Zeit hier wird mich sicherlich noch lange begleiten!