Peru: 2. Rundbrief von Johanna Bauer
Peru
Johanna Bauer
03.04.2026
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Schon mehr als die Hälfte meines Freiwilligendienstes liegt hinter mir und es gibt so viel zu erzählen. Jetzt ist März 2026, es liegen also einige Ereignisse, von Weihnachten bis hin zu unserer Reise durch Peru, in der Vergangenheit. Den März in Deutschland erlebe ich ja nicht direkt mit, also sowohl den März als auch den Merz ;-). Ist vielleicht auch besser so…

Hier in Cajamarca lagen die Temperaturen über die Weihnachtszeit bei durchschnittlich 17°C, also nicht ganz so kalt wie in Deutschland. :-) Hier wird es tatsächlich auch nicht Winterzeit genannt, sondern Sommerzeit. Ich hatte also in diesem Jahr schon meine Sommerferien.

In der Einrichtung „Santa Dorotea“ habe ich mich mittlerweile sehr gut eingelebt und in der Wohnung, die ich mit meiner Mitfreiwilligen teile, fühle ich mich auch sehr wohl. Bis zu den Ferien hatten wir einen geregelten Tagesablauf, der die Unterstützung in den Werkstätten (talleres) sowie bei den unterschiedlichen Nachmittagsaktivitäten beinhaltete. Unter anderem haben wir jede Woche fleißig für das Theaterstück „El gato con botas“ - Der gestiefelte Kater - geprobt. Ich durfte die Erzählerin verkörpern, was sich als eine gute Übung für meine Aussprache herausstellte. Anfang Dezember haben wir das Stück dann in der Schule aufgeführt, auf die einige Kinder aus dem Kinderheim gehen.

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Plätzchen aus der Weihnachtszeit

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Lebkuchenhaus mit Hänsel, Gretel und der Hexe

Weihnachtszeit in Peru

Neben dem Weihnachtsbasar, den die Einrichtung veranstaltet hat, gab es auch sogenannte „Chocolatadas“. Also Weihnachtsfeiern, bei denen heiße Schokolade getrunken und „Panetón“ gegessen wird. Das ist ein kegelförmiger Hefezopf aus Weizensauerteig mit kandierten Früchten. Für meinen Geschmack ein bisschen zu süß :-)

Meistens kamen außerdem Animateure, die mit den Kindern gespielt und getanzt haben. Animateure verbreiten gute Laune und sorgen durch geeignete Aktionen (Animation) dafür, dass sich die Gäste wohlfühlen und nicht langweilen. Die Bewohner*innen hatten sehr viel Freude daran. Auch noch bei der fünften Chocolatada …Es hatten auf jeden Fall alle einen Zuckerschock ;-)

Kurz vor Weihnachten wurden dann viele Personen von ihren Familien abgeholt, um die fast dreimonatigen Ferien zu Hause zu verbringen. Die Bewohner*innen ohne Familie sind in der Einrichtung geblieben. Es war plötzlich so ruhig…

Heiligabend haben wir mit einer peruanischen Familie gefeiert. Wir wurden von anderen deutschen Freiwilligen mitgenommen, die mit einem Mitglied der Familie in derselben Einrichtung tätig sind. Es war anders als ich gewohnt bin, aber trotzdem eine sehr besondere Erfahrung. Wir haben zwar auch Musik gemacht wie bei mir zuhause, jedoch gab es zum Beispiel erst um 0Uhr Essen. Wir haben Wunderkerzen angezündet und es gab sogar Feuerwerk. Es hat sich also eher angefühlt wie Silvester. Ich bin sehr dankbar, dass ich erleben durfte, wie Heiligabend in einer anderen Familie gefeiert wird - und dann auch noch in einem anderen Land.

Am 25. Dezember haben wir dann aber doch nur mit Deutschen gefeiert. Es gab deutsches Brot, Wichtelgeschenke, Spiele und natürlich deutsche Weihnachtslieder. ;-)

Am 26. Dezember haben wir mit der Gründerin unseres Projekts Stollen und Lebkuchen gegessen. An deutschen Schleckereien hat es also auf jeden Fall nicht gefehlt. Von meiner Mutter hatte ich sogar einen Adventskalender geschickt bekommen, mit allerlei Süßigkeiten.

Silvester am Strand

Nach Weihnachten stand dann natürlich noch Silvester an. Mit zwei weiteren deutschen Freiwilligen sind wir nach „Puerto Malabrigo“ gefahren, einen kleinen Ort am Meer. Die Sonnenuntergänge waren unglaublich schön, und trotz des Sonnenbrandes (ups :-)) haben wir die Zeit sehr genossen. Am 31. haben wir um Mitternacht zwölf Trauben gegessen und das Feuerwerk bestaunt. Aber so schön es für uns auch aussah, für die Tiere war es natürlich sehr stressig, was ich an dieser Stelle nicht ignorieren will!

Das Essen der Trauben ist übrigens eine Tradition, bei der man mit jeder Traube einen Wunsch für das neue Jahr verbindet. Die Zwölf steht dabei für die zwölf Monate. Ursprünglich stammt die Tradition aus Spanien, jedoch ist sie mittlerweile auch in vielen Ländern Lateinamerikas bekannt - auch in Peru.

Der Strand ist auf jeden Fall ein schöner Ort um Silvester zu feiern. Überall standen Zelte von Freundesgruppen, die zusammen das neue Jahr begrüßt haben.

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Sonnenuntergang am Strand in Puerto Malabrigo

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Farbschlacht an Karneval mit Freunden

Start in das neue Jahr und Karneval in Cajamarca

Angekommen im Jahr 2026 ging es dann wieder relativ „normal“ weiter mit der Arbeit. Da aber plötzlich so wenig Kinder da waren und kein Unterricht stattfand, konnten wir uns selbst für Aktivitäten entscheiden. Nachdem wir ein paar Malbücher mitgebracht hatten, wurde eigentlich jeden Tag fleißig gemalt. Die Bewohner*innen hatten eine neue Lieblingsaktivität gefunden und wollten auch fast nichts anderes machen. :-)

Im Februar habe ich außerdem viel Zeit mit meinen Freunden verbracht. Wir haben einige Spiele- und Karaokeabende veranstaltet, ein Krimidinner organisiert und ein paar Ausflüge in der Umgebung gemacht. Ein deutscher Freund, der auch hier lebt, besitzt außerdem eine Bar namens „Das Bier“. Dort treffen wir uns oft, um in einem heißen Pool unter dem Nachthimmel zu entspannen.

Eins der wichtigsten Ereignisse in Peru stand natürlich auch noch an: Karneval. Nasse und in Farben getränkte Kleider garantiert (zumindest hier)! Cajamarca ist als Karnevals-Stadt in Peru bekannt, weshalb auch viele Menschen von außerhalb anreisen, um dieses Spektakel nicht zu verpassen. Es gibt jedes Jahr eine Farbschlacht, bei der man keine Kleider anziehen sollte, die man gerne trägt. Wir haben uns extra Karnevals-T-Shirts gekauft und uns mit Vaseline eingeschmiert, um die Farben später besser abwaschen zu können. Sobald wir aus der Tür traten, bekamen wir einen Eimer Farbe über den Kopf geschüttet. Es war wirklich verrückt, aber sehr lustig. :-)

In den Tagen danach gab es mehrere Umzüge mit den prächtigsten Trachten, die ich je gesehen habe. Es gab viele traditionelle und von den Inkas inspirierte Gewänder. Verschiedene Bläsergruppen haben die hier typische Karnevalsmusik gespielt und dadurch Stimmung gemacht. Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses beeindruckende Ereignis miterleben durfte.

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Ausblick auf den Titicacasee von der Insel Taquile aus

Zwischenseminar in Bolivien und wunderschöne Reisen

Am 18. Februar ging es dann los zu unserem Zwischenseminar in Bolivien (Cochabamba), wo wir die anderen Freiwillligen nach einem halben Jahr wiedersehen konnten. Dort haben wir die letzten sechs Monate reflektiert, nochmal über Privilegien gesprochen und unsere Pläne für die Zukunft veranschaulicht.

Nach dem Seminar ging es für meine Mitfreiwillige und mich weiter nach Puno an den Titicacasee. Dort haben wir die wunderschöne Insel „Taquile“ besucht sowie die schwimmenden Uros-Inseln, die aus Totora-Schilf gebaut sind.

Von Puno aus sind wir, an Seen und Vulkanen vorbei, weiter nach Chivay, einer Stadt im Colca-Tal. Danach sind wir mit einer Tour den Colca-Canyon entlanggefahren und haben Kondore beobachtet. Der Colca-Canyon ist der zweittiefste Canyon der Welt und daher sehr beeindruckend. Eine Seilrutsche über die Schlucht durfte natürlich auch nicht fehlen. ;-)

Die Tour hat schließlich in Arequipa geendet, eine Stadt, die von Vulkanen umgeben ist. Neben einer Bummeltour durch die wunderschöne Innenstadt haben wir einen Ausflug zu dem Salzsee gemacht.

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Uros-Schriftzug auf den schwimmenden Uros-Inseln

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Puno-Schriftzug mit der Stadt im Hintergrund

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Ausblick auf eine Vulkanlandschaft mit Lamas

In der alten Inkastadt Cusco standen uns nach einem Ruhetag dann viele Touren mit frühem Aufstehen bevor. Natürlich waren wir bei der berühmten Ruinenstadt „Machu Picchu“, die auch als eins der sieben Weltwunder bekannt ist. Es war sehr eindrucksvoll, die von den Inkas erbaute Stadt mit eigenen Augen zu sehen.

Außerdem haben wir den Regenbogenberg, der eigentlich „Apu Vinicunca“ heißt, bestiegen. Er liegt auf 5036 Metern, was man deutlich gespürt hat. Ich musste alle paar Schritte eine Pause machen um durchzuatmen. :-) Umso stolzer war ich, als ich endlich oben ankam.

Bei einer weiteren Tour konnte ich verschiedene Inka-Ruinen und eine Salzmine im sogenannten „Heiligen Tal“ besichtigen. Besonders interessant ist die Bautechnik der Inka, bei der Mauern aus aufeinander geschichteten, exakt in Form gebrachten Steinen gebaut wurden. Die Steine liegen also ohne jeden Gebrauch von Mörtel direkt aufeinander und haben sich so über die Jahrhunderte nicht verschoben. Die Prozedur hat natürlich sehr lange gedauert…

Bei der letzten Tour haben wir eine Wanderung zu den sieben Seen gemacht. Es war weniger anstrengend als beim Regenbogenberg und sehr schön. Wir haben außerdem sehr viele Lamas, Alpakas und Vicuñas/Vikunjas gesehen - alles verschiedene Arten von Neuweltkamelen. Das sind eine Gruppe von Kamelen, die in Südamerika beheimatet sind und sich durch das Fehlen von Höckern und geringerer Größe von Altweltkamelen unterscheiden.

Nach Cusco haben wir dann noch zwei Tage in einer Wüstenoase namens „Huacachina“ verbracht. Dort haben wir entspannt und Sandboarding auf den Sanddünen ausprobiert. Danach ging es wieder zurück nach Cajamarca, wo jetzt wieder die Schulzeit beginnt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich auf unserer Reise so viele tolle Orte sehen durfte. Peru hat wirklich vieles zu bieten. Jetzt geht es aber erstmals weiter mit dem Arbeitsalltag. Ich bin sehr gespannt wie gut ich mich wieder einfinde und ob sich etwas an meinen Aufgaben verändern wird.Die nächsten fünfeinhalb Monate meines Freiwilligendienstes können beginnen… :-)

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Ich vor der berühmten Inkaruine Machu Picchu

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Der Apu Vinicunca-Regenbogenberg