
Liebe Lesende, nun ist es soweit. Ich bin mittlerweile rund drei Monate in Bolivien unterwegs und durfte schon einiges Erleben. Dadurch konnte ich schon einige Einblicke in die Kultur und in das Land Bolivien gewinnen. Tagesausflüge, gemeinsame Spieleabende, mein erstes Lager mit den bolivianischen Pfadfindenden, Begegnungsreisen mit der Hermandad - der Partnerorganisation hier in Bolivien - und vieles mehr durfte ich bisher bereits erleben. Und dies alles mit einer großen und herzlichen Gastfreundlichkeit.
Am Anfang wurden wir Freiwilligen - Lilly, Sarah und ich - nach unserer Landung in El Alto von unserer Partnerorganisation hier in Bolivien, der Hermandad, abgeholt. Die Hermandad hat uns in der ersten Woche in La Paz begleitet und uns geholfen unsere Dokumente, z.B. das Visum und andere Organisatorische Dinge, zu beantragen und zu erledigen.
In dieser ersten Woche durfte ich unter anderem in der sehr netten Gastfamilie Argandoña für fünf Tage wohnen. Mit meinen 10-jährigen und 5-jährigen Gastschwestern habe ich in der Zeit neben dem Organisatorischen viel Zeit mit Spielen und Hausaufgaben verbringen dürfen. Zudem sind wir am Tag der Präsidentschaftswahl gemeinsam rausgegangen, weil an diesem besonderen Tag keine Autos fahren durften. Dementsprechend waren mehr Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Straßen unterwegs. Auch Kinder konnten auf den Straßen spielen, was ansonsten unüblich ist.
Darüber hinaus haben wir Freiwillige uns mit der Hermandad auch in La Paz umgeschaut. Dabei haben wir den Mercado de las Brujas (Hexenmarkt) besucht, sind mit der Teleférico (Gondel) gefahren, die dort zu den alltäglichen Verkehrsmitteln gehört und haben auch in El Alto die Feria 16 de julio (der größte Markt Boliviens und einer der größten Lateinamerikas) besucht.
Nachdem die wesentlichen Dinge in die Wege geleitet und geklärt wurden, bin ich mit der Flota (eine Art komfortabler Reisebus) ca. 7h in die Stadt Cochabamba gefahren, wo meine zweite Gastfamilie Pérez Rocabado, bei der ich einen Monat leben durfte, wohnt und wo sich mein Projekt bei den Pfadfindenden des Distriktes Cochabamba befindet. Hier wurde ich von meiner Gastmutter und meiner Gastschwester am Busbahnhof abgeholt und bei einem Frühstück auch von der lokalen Hermandad, meiner Mentorin Naty, meiner Vorfreiwilligen Kaja, Pfadfindenden und meinen Gastbrüdern sowie meinem Gastvater herzlich in Empfang genommen.
In meinem ersten Monat hier in Cochabamba haben meine Mentorin und meine Vorfreiwillige mir einiges gezeigt und mich zu verschiedenen Aktionen mitgenommen, was mir beim Einleben sehr geholfen hat. (Sidefact: Der „Christo“ ist eines der Wahrzeichen der Stadt Cochabamba und ist größer als die Christusstatue in Rio de Janeiro) Zudem haben sie mich beim Visum und sonstigen bürokratischen Aufgaben unterstützt. Währenddessen habe ich angefangen in meinem Projekt bei den Pfadfindenden tätig zu werden. Dazu bin ich nach meinem ersten Monat hier in Cochabamba in das Distriktzentrum gezogen. Seit dem habe ich schon verschiedene Pfadfindendegruppen besucht und mir angeschaut, wie das Pfadfinden hier so ist. Dabei habe ich bis jetzt aber nur erste Einblicke gesammelt. Die Gruppenstunden die ich bis jetzt besucht habe, finden hier alle samstags und mit allen Pfadfindendenstufen zur selben Uhrzeit statt. Dabei starten und enden die Gruppenstunden gemeinsam mit allen Stufen mit einer Art Begrüßungsritual, ggf. auch mit einem Fahnenapell. Dazwischen haben die jeweiligen Stufen unterschiedliches Programm. Es wird, wie bei uns auch, gespielt, geplant, diskutiert etc.. Etwas anders als bei uns, wird hier jedoch mehr Wert auf das Tragen der Kluft und des Halstuches auch während der Gruppenstunden gelegt.
Im diesem Rahmen habe ich die Ehre gehabt, mit den Pfadfindenden am Jahrestag der Stadt Cochabamba in der Parade mitzugehen. An dieser Parade durften nur bestimmte Institutionen und Universitäten teilnehmen. Dabei wurden die Pfadfindenden bejubelt und sich bei ihnen bedankt, weil diese hier eine vergleichsweise zu Deutschland höhere Anerkennung in der Gesellschaft bekommen. Für mich ein besonderes Erlebnis, dass ich so nicht kannte.
Des Weiteren bin ich auf meinem ersten Pfadfindendenlager der bolivianischen Pfadfindenden gewesen. Dabei handelte es sich um ein Lager der Exploradores (Jungpfadfindenden Stufe) des Distriktes mit fast 400 Pfadfindenden. Dabei wurden, wie auch bei deutschen Lagern, verschiedene Stations- und Geländespiele gespielt. Auffällig war, dass es eine engere und koordiniertere Organisation und Absprache mit den Kindern gab, als auf Lagern, die ich aus Deutschland kenne.
Neben meinem primären Projekt bin ich gerade noch auf der Suche nach einem sekundären Projekt, denn die Aktivitäten der Pfadfindenden finden meist nur am Wochenende statt. Dabei habe ich derzeit schon verschiedene Projekte besucht. All diese Projekte haben gemeinsam, dass ich dabei mit Kindern arbeite und sie beispielsweise bei ihren Hausaufgaben unterstützte, mit ihnen spiele oder gemeinsam esse, um somit auch einen Raum der Begegnung zu bieten.
Des Weiteren war ich in Rahmen von Begegnungs- und Freundschaftsreisen mit der Partnerorganisation in Tarija und Sucre. Tarija ist bekannt als eines der am höchsten liegenden Weinanbaugebiete der Welt (bis zu 2000 m ü. NN). Die Region ist bekannt für ihren Wein und den Weinbrand Singani. Die Stadt Sucre ist bekannt für seine Schokolade und die weißen Gebäude. Sie zählt zu den ältesten Universitätsstädten Südamerikas. Dort gab es verschiedene liturgische Workshops und Seminare, auch über die Partnerschaftsverbindung nach Deutschland, die seit diesem Jahr 65 Jahre besteht, sowie über die Kultur Boliviens und damit zusammenhängende Traditionen. Dadurch haben diese Reisen auch viele Austauschmöglichkeiten geboten. Neben diesen Programmpunkten haben sich viele Gespräche mit verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Teilen Boliviens ergeben, was ich sehr schön fand.
Somit blicke ich jetzt schon sehr positiv und glücklich auf meine ersten drei Monate hier in Bolivien zurück, auf die vielen netten Menschen die mich herzlich und mit offenen Armen aufgenommen haben sowie die Orte, die ich hier in Bolivien schon sehen konnte. Nun freue ich mich auf die kommende Zeit mit weiteren Begegnungen. Dieses Wochenende (01. + 02.11.2025) stehen die Feiertage Todos Santos (zum Gedenken der Verstorbenen) an. Ich werde mich für eine Pfadfindendegruppe entscheiden, bei der ich den restlichen Zeitraum bleiben werde, ebenso für ein Unterprojekt. Zudem plane ich, an weiteren Pfadfindendenlagern teilzunehmen, unter anderem wollen wir mit der Rover Stufe weitere Städte und die Salar de Uyuni (Salzwüste) besuchen.
Wenn ihr Rückfragen habt, meldet euch gerne bei mir.
Vielen Dank für euer Interesse und viele Grüße aus Cochabamba (Bolivien)
Luca
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