Peru: 1. Rundbrief von Nele Fritsch
Peru
Nele Fritsch
24.03.2026
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Hallo liebe Leute, in meinem folgenden Rundbrief möchte ich euch über meine letzten sieben Monate hier im wunderschönen Cajamarca, Peru erzählen. Wie immer bin ich sehr spät dran mit meinem Bericht, dafür muss ich mich wohl entschuldigen, jedoch ist die letzte Zeit für mich so schnell vorbei gegangen, und so viel ist passiert, dass ich einfach noch nicht die Zeit hatte, alles schriftlich aufzuarbeiten.

Jetzt ist es jedoch so weit und ich werde euch chronologisch einen näheren Einblick in die erste Hälfte meines Freiwilligendienstes geben.

Am 13.08.2025 ging es für Johanna und mich nach Frankfurt und von dort aus über Sao Paolo und Lima nach Cajamarca. Nach 27h Reisezeit erreichten wir nun endlich unser Ziel. Herzlichst empfangen wurden wir, am Flughafen, von der Gründerin unseres Projektes (Christa Stark) und einigen Mitarbeiterinnen unseres Heimes. Von da an ging es dann nun wirklich los. Wir haben uns schnell eingelebt, die Kinder und unsere Aufgaben kennen- und Cajamarca und ihre Menschen lieben gelernt.

Die ersten Wochen hatte ich ein paar Probleme mit meinen Zähnen/Kiefer und musste direkt nach 2 Wochen zum Arzt. Ehrlicherweise war das ein prägendes Erlebnis. Die anderen Standards, Ärzte, die Schmerzen und Ängste und vor allem die noch nicht beherrschte Sprache waren einschneidend und bis heute versuche ich Arztbesuche hier weitestgehend zu vermeiden, auch wenn meine Zähne oft immer noch Probleme machen.

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Ankunft am Flughafen in Cajamarca, 14.08.2025

Nach den anfänglichen Schwierigkeiten und doch ziemlich starkem Heimweh (was auch den Zahnschmerzen geschuldet war), ging es jedoch schnell bergauf und ich habe mich sehr schnell, sehr wohl hier in der Einrichtung und in Cajamarca gefühlt.

Nach einem Monat hier entschloss ich mich sogar, einen Hund von der Straße zu adoptieren. Wir haben ihm den Namen Lumi gegeben, und er hat daraufhin 2 Monate bei und mit uns gelebt und ich habe ihn sehr dolle liebgewonnen. Leider mussten wir nach kurzer Zeit feststellen, dass er, da er schon 2 Jahre alt ist, nicht für das Leben in einer Wohnung geeignet war. Er brauchte viel mehr Auslauf und am besten auch andere Hunde, und manche seiner Verhaltenszüge waren mit dem täglichen Leben im Heim nicht vereinbar. Daraufhin habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden, ihn auf einen Hof, im ländlicheren Teil Cajamarcas, zu geben, wo er seitdem fröhlich mit anderen Hunden und in der Natur, aber trotzdem mit Essen und einem trockenen Schlafplatz leben kann.

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Der Innenhof unseres Heims

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Lumi

In der Zwischenzeit habe ich aber auch richtig Fuß im Hogar, also im Heim Santa Dorotea, unserer Einsatzstelle, fassen können. Mit der Zeit lernte ich alle Kinder kennen und schaffte es schnell mit vielen eine enge Bindung aufzubauen. In unserem Heim arbeiten wir mit Kindern mit Behinderung, die entweder keine enge Familie mehr haben, oder deren Familien zu weit außerhalb der Stadt leben. Damit die Kinder aber trotzdem zur Sonderschule oder sogar in die normale Schule gehen können, leben sie zu Schulzeiten im Heim. Unsere Aufgaben hier beziehen sich vor Allem auf Nachmittagsbetreuung oder als Unterstützung für die Lehrkräfte. Oft geht es einfach darum, bei den Kindern zu sein, mit ihnen zu reden und ihren Alltag abwechslungsreicher zu gestalten.

Neben den Aktivitäten direkt mit den Kindern, durften wir bisher aber auch bei dem diesjährigen Theaterstück “el gato con botas” (der gestiefelte Kater) mithelfen (ich an der Technik und Johanna als Erzählerin), sowie am wöchentlichen Waffelverkauf in der Stadt. Außerdem wurden an Weihnachten und Karneval fleißig Lebkuchen gebacken, verziert und später zu Gunsten des Hogars verkauft. Dazu kommen Ausflüge mit den Kindern und, was es vor Allem in der Weihnachtszeit gab, Chocolatadas oder andere Feiern im Hogar, wo wir vor allem als zusätzliche Unterstützung zum Essen-anreichen, als Aufpasser oder für alles, was sonst so gebraucht wird, da sind.

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Johanna und Ich mit 3 unserer Kinder, die es lieben Selfies zu machen

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“In diesem Rennen sind wir alle Gewinner” -Umzug am Tag der Inklusion

Mit der Zeit habe ich viele, mittlerweile sehr enge, Freunde kennengelernt. Mein Netzwerk an Freunden vergrößert sich von Woche zu Woche und ich fühle mich, als würde ich die Menschen seit Jahrzehnten kennen. Das ist ein unglaubliches Gefühl, so verbunden mit Menschen zu sein. Neben den peruanischen Freund:innen haben wir nach und nach auch von immer mehr anderen deutschen und italienischen Freiwilligen in Cajamarca erfahren, mit denen eine enge Freundesgruppe entstanden ist. Mit den verschiedenen Freunden unternehme ich sowohl fast jedes Wochenende als auch unter der Woche viel. Von Karneval, über Karaoke, schwimmen gehen oder Spieleabende ist alles dabei und verschiedener könnten wir nicht sein, und genau das ist es, was die Freundschaften so besonders macht.

Die ersten Monate gingen vorbei wie im Flug und so schnell stand schon Weihnachten vor der Tür. Die Weihnachtszeit war sehr präsent im Heim, was mir tatsächlich geholfen hat. Weihnachten ist mein Lieblingsfest und ich hatte sehr große Angst vor diesen Tagen, ohne meine Familie. Im Endeffekt war es jedoch gar nicht so schlimm, wie ich dachte. An Heiligabend hatte ich etwas Heimweh, jedoch war es das einzige Mal seit der Anfangszeit hier in Peru, und das auch nur für einen Abend. Heiligabend haben wir mit anderen Freiwilligen bei ihrer Mentorin und ihrer Familie verbringen dürfen. Es war sehr anders, beispielsweise wurde mit dem Essen bis um exakt 0 Uhr gewartet und es gab sogar Feuerwerk. Aber es war eine sehr schöne Erfahrung und ich bin super dankbar, an einem kulturell so wichtigen Tag die Möglichkeit gehabt zu haben, einen so persönlichen Einblick zu bekommen. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir, mit den anderen deutschen Freiwilligen Mädels, ein “deutsches Weihnachten” gefeiert. Mit deutschem Brot, viel Aufschnitt, spielen und Blockflöten/Ukulelen Einlage für unsere Familien. Einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es hier in Peru eigentlich gar nicht, wir waren an dem Nachmittag jedoch bei unserer Chefin zum Kaffee eingeladen, wodurch wir ihn dann trotzdem gefeiert haben.

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Weihnachtselfen am Werk: Lebkuchen backen im Heim

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Geburtstags- und Weihnachtsfeier im Heim

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Amigo secreto (Wichteln) mit der Freundesgruppe

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Unsere Mädels-Gruppe als Freiwillige

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Heiligabend

Weihnachten verflog also auch schnell und war sehr wohltuend. Zwei Tage später ging es für Johanna und mich und Sarah und Caro (2 andere deutsche Freiwillige, bei denen wir auch Weihnachten verbracht haben) das erste Mal raus aus Cajamarca. Über Silvester hatten wir beschlossen, nach Puerto Malabrigo zu fahren und Neujahr am Strand zu verbringen. Es war eine total schöne Zeit zu viert und mir hat es gutgetan, einmal raus aus dem Alltag zu kommen, besonders nach der doch etwas stressigen Vorweihnachtszeit.

Nach unserem kleinen Ausflug fing für uns die Ferienzeit im Heim an, was bedeutete, dass wir jetzt nur noch 7 Kinder zu betreuen hatten. Die Zeit haben wir mit dem ein oder anderen Ausflug verbracht und mit ganz viel malen und Spazierengehen. Die Ferienzeit war super entschleunigend und es war schön, sich so viel Zeit für einzelne Kinder nehmen zu können.

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Erster Urlaub über Silvester

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Ferienruhe im Heim = ganz viel malen

Mitte Februar war es dann so weit: Karneval stand vor der Tür. Das, worauf man das ganze erste halbe Jahr insgeheim hin gefiebert hatte. Cajamarca gilt hier in Peru als Hauptziel für Karnevalisten (vergleichbar mit Köln), weshalb die Vorfreude riesig war. Und enttäuscht wurden wir definitiv nicht. Samstags ging es los mit einer riesigen Farbschlacht den ganzen Tag lang, man lief durch die Stadt, beschmiss sich mit Farbe und anschließend liefen wir zu einem der Hauptplätze, wo eine der berühmtesten peruanischen Cumbia-gruppen spielte. Wir haben eine andere Gruppe von außerhalb kennengelernt, mit der wir auch die nächsten 2 Tage Karneval verbrachten. An den anderen Tagen schauten wir einen Teil des großen Umzuges, in dem die verschiedenen Nachbarschaften ihre Trachten, meist historisch oder spirituellen Ursprunges, präsentierten.

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Karneval: ein Vergleich zwischen vorher...

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...und nachher

Unmittelbar nach den Karnevalstagen brachen Johanna und ich auf nach Bolivien für unser Zwischenseminar. In Cochabamba trafen wir nach einem halben Jahr wieder auf die anderen Freiwilligen aus Südamerika und verbrachten 5 Tage damit, das letzte halbe Jahr und die Themen, die damit einhergehen, zu reflektieren. Außerdem sprachen wir über den Ablauf unserer zweiten Halbzeit und insbesondere tauschten wir uns über Themen wie Privilegien, Abschied und Rückkehr aus.

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Unsere Zwischenseminargruppe in Cochabamba

Von Cochabamba aus machten wir uns nun auf den Weg auf unsere große Peru Reise. Mit dem Bus ging es erst zurück nach La Paz und von dort aus nach Puno, dort blieben wir 2 Tage und besuchten einige touristische Aussichtspunkte des Titicaca-sees. In einem 2-tägigien Ausflug fuhren wir daraufhin mit einer kleinen Gruppe nach Arequipa, auf dem Weg besuchten wir den Colca Canyon, einer der tiefsten und weitesten Canyons der Welt, bekannt für seine majestätischen Kondore, die durch die Schlucht fliegen. Und zu meinem Glück habe ich sogar 3 Stück selbst sehen können. In Arequipa haben wir

außerdem eine Salzwüste besucht, von der aus man den Blick auf 4 verschiedene Vulkane hatte. Über Nacht ging es dann weiter nach Cusco, wo wir insgesamt 5 Nächte verbrachten. Cusco war unser längster Stopp, da es viele touristische Attraktionen in und um Cusco herum gibt. Wir waren also erst beim Machu Picchu, danach sind wir zum Regenbogenberg gewandert und am letzten Tag haben wir eine 13km Wanderung durch einen kleinen Teil der Anden auf 4.700m Höhe gemacht. Nach 6 Tagen dort ging es weiter nach Huaccachina, eine Oase in der Wüste Perus, wo wir Quad fahren konnten und Sandboarden in der Wüste. 2 Tage konnten wir in Huaccachina etwas entspannen und damit neigte sich unsere Reise auch schon dem Ende zu. Wir fuhren zurück nach Lima, wo wir noch die Chance hatten, auf das Konzert einer meiner Lieblingssänger zu gehen und am nächsten Morgen hieß es ab ins Flugzeug und endlich wieder ins geliebte Cajamarca.

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Johanna und ich auf der Insel Taquile im Titicaca-See

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Ein Selfie mit einem Lama darf nicht fehlen

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Am Rande der Salzwüste mit Blick auf einen Vulkan

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In einem der 7 Weltwundern, dem Machu Picchu

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Zu Fuß zum Regenbogenberg auf ca. 5.200m Höhe gewandert

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13km Wanderung durch die 7 Seen des Ausangate auf ca. 4.700m Höhe

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Quadfahren in der Wüste Huaccachinas, letzter Stopp unserer großen Reise

Und jetzt sind wir hier, über 7 Monate nach unserer Ankunft in Peru. Die Schule hat wieder angefangen, die Kinder sind zurück und somit ist wieder volles Leben im Heim.

Die Arbeit mit den Menschen hier erfüllt mich total, und auch wenn ich andere Pläne für meine Zukunft habe, möchte ich gerne trotzdem in Deutschland ehrenamtlich in diese Berufsrichtung gehen. Ich habe jetzt schon Angst vor dem Tag unserer Abreise, da ich erstmals noch mit dem ungewissen leben muss, wann ich wieder zurückkehren kann. Die Erfahrungen, die ich in den letzten Monaten hier machen durfte, prägen mich enorm und ich bin unendlich dankbar für diese Chance, vor allem, weil ich das Gefühl habe, zwischenmenschlich sehr viel gelernt zu haben.

Die letzten Monate waren unglaublich. Nicht alle meine Tage waren gute Tage und ich habe auch Fehler gemacht. Jedoch ist die Zeit hier so wertvoll und ich habe jetzt schon das Gefühl, dass mich diese Erfahrungen für immer positiv prägen werden. Ich denke, dass ich so viel von den Menschen und den Kindern lernen konnte und durfte, und bin gespannt und voller Vorfreude auf die nächste Zeit.

Bis dahin wünsche ich alles Gute und schöne Grüße nach Deutschland,

Nele Fritsch

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Schulanfang im Heim, neue Freiwillige (obere Mitte) kennengelernt