Bolivien: 2. Rundbrief von Sarah Buhl
Bolivien
Sarah Buhl
02.05.2026
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Seit meinem letzten Rundbrief ist einiges passiert, und davon erzähle ich euch hier.

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Im Dezember haben die Ferien angefangen, die bis Anfang Februar gingen. In den Ferien habe ich zusammen mit den italienischen Freiwilligen ein Sommercamp für die Schüler angeboten. Dort hatten wir Kursangebote zum Kochen, Basteln und Tanzen. Mit allen Schülern haben wir einen Weihnachtstanz einstudiert, der dann am 23.12. in der Kathedrale aufgeführt wurde.

Den 24.12. habe ich zuerst mit den anderen Freiwilligen verbracht, und wir sind zusammen zur Abendmesse gegangen. Nach der Messe hatte ich das Glück, den restlichen Abend mit meiner Gastfamilie verbringen zu dürfen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, da ich zum einen ganz neue Bräuche kennenlernen durfte und zum anderen ein richtig herzliches Familiengefühl hatte.

Den ersten Weihnachtstag am 25.12. haben wir im Vicariato mit allen Priestern und Nonnen verbracht und zusammen Mittagessen gegessen.

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Die Schüler bei der Weihnachtsaufführung in der Kathedrale

In den Ferien habe ich die Möglichkeit bekommen, nach Brasilien zu reisen. Den Urlaub habe ich mit zwei weiteren Freiwilligen verbracht: Lilly aus El Alto und Louisa aus Brasilien. Zusammen sind wir nach Rio de Janeiro, Ilha Grande und São Paulo gereist. Es waren wunderschöne Tage, und vor allem Silvester in Rio de Janeiro an der Copacabana zu verbringen, war ein Traum, der wahr geworden ist.

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Christus Statue in Rio de Janeiro

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Lilly, ich und Louisa vor der Christus Statue

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Silvester an der Copacabana

Als ich zurück in Bolivien war, habe ich erst einmal nur im Centro Médico wieder angefangen zu arbeiten, da die Schüler noch Ferien hatten. Als die Nachmittagsschule wieder angefangen hat, waren in den ersten Tagen noch nicht viele Schüler da. Deshalb haben wir die Zeit genutzt, um mit den anwesenden Schülern Spiele zu spielen und Filme zu schauen.

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Gemalten Bilder der Schüler

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Film schauen in der 1. Woche

Kurz danach ging es für mich über Karneval nach Oruro, wo Karneval hier in Bolivien am größten gefeiert wird. Wir haben viele traditionelle Tänze und Trachten gesehen. Anders als in Deutschland wird hier nicht mit Süßigkeiten geworfen. Stattdessen besprüht man sich gegenseitig mit Schaum und bewirft sich mit Wasserbomben. In den wärmeren Regionen wie Santa Cruz oder auch Riberalta sind es Wasser- und Farbbomben. Es war sehr interessant, eine neue Karnevalstradition kennenzulernen. Im Anschluss hatte ich noch die Möglichkeit, nach Uyuni zu reisen und den Salar de Uyuni (die größte Salzwüste der Erde mit 10.500 km²) zu erkunden. Es war total beeindruckend, eines dieser Naturwunder der Welt mit eigenen Augen zu sehen.

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Karneval in Oruro

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Karneval in Oruro nach der Schaumschlacht

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Christian, Nicole und ich beim Salar de Uyuni

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Salar de Uyuni

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Salar de Uyuni

Danach hatte ich noch kurz Zeit, Lilly für zwei Tage in El Alto zu besuchen, bevor es für uns weiter zum Zwischenseminar nach Cochabamba ging. In El Alto haben wir Lillys Gastfamilie besucht und durften an einer ganz besonderen Tradition teilnehmen. Die Tradition heißt „Challar“, was so viel wie „schmücken“ bedeutet. In dieser Tradition geht es darum, Dank für das vergangene Jahr auszudrücken und gleichzeitig um ein gutes neues Jahr zu bitten. Dafür streut man Süßigkeiten und Alkohol auf den Boden, rund um das Haus. Das Haus wird dafür auch festlich geschmückt. Dies gilt sozusagen als Opfergabe für die Göttin Pachamama, die bei dieser Tradition besonders geehrt wird. Es war total interessant, das mitzuerleben, dabei zu sein und beim Schmücken des Hauses zu helfen.

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Schmücken des Hauses bei Lillys Gastfamilie

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Lilly, Lillys Gastmutter, Gastschwester, ich und Louisa

Das Seminar ging knapp eine Woche, und es war total schön, die ganzen anderen Freiwilligen wiederzusehen. Es waren alle südamerikanischen Freiwilligen von SoFiA und der Organisation aus Hildesheim dort. Wir haben das gesamte letzte halbe Jahr besprochen und viele Einheiten gemacht, um intensiver auf unsere Erfahrungen einzugehen. Ich finde es total überwältigend, wenn ich darüber nachdenke, dass ich schon über sechs Monate hier bin und wie viele neue Dinge ich sehen und kennenlernen durfte.

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Arbeit beim Seminar

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Arbeit beim Seminar

Nach dem Seminar ging es für mich zurück nach Riberalta und wieder an die Arbeit. Ab März konnte ich in der Nachmittagsschule wieder mit dem Unterstützen des Unterrichts beginnen. Da weniger Kinder da sind, habe ich jetzt nur noch vier Kurse. Freitags bieten wir in der letzten Stunde nun aktive Kurse an, zum Beispiel Tanzen, Sticken, Malen und Ähnliches. Den Tanzunterricht darf ich mitanleiten, und mit den Kindern ist es sehr lustig. Sie haben viele Ideen und sind sehr aktiv, wodurch es immer viel Spaß macht. Es freut mich generell, wieder mit den Kindern arbeiten zu können, und es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie viel sie noch vom Englischunterricht aus dem letzten Jahr wissen. Außerdem ist es wunderbar, sich besser mit den Kindern unterhalten zu können und ihnen bei Problemen noch gezielter helfen zu können.

Ende März bzw. Anfang April fand hier die Semana Santa, also die Osterwoche, statt. In dieser Zeit haben wir an vielen verschiedenen Gottesdiensten teilgenommen, die jeweils eine besondere Bedeutung haben. Die Woche begann mit der Misa de Ramos (Palmsonntag), gefolgt von der Misa de la Cena del Señor (Gründonnerstag). Am Viernes Santo (Karfreitag) nahmen wir an der Feier des Leidens Christi sowie an der Vía Crucis (dem Kreuzweg) teil. Am Samstagabend fand die Vigilia Pascual, die feierliche Nachtmesse, statt, und am Sonntag wurde die Semana Santa schließlich mit der Misa de Pascua (Ostersonntag) und dem Abschluss der Vía Crucis beendet.

Besonders intensiv waren für mich die Vorbereitung und Durchführung der Vía Crucis gemeinsam mit den Jugendlichen. Dabei handelt es sich um eine zentrale christliche Andacht, bei der der Leidensweg Jesu bis zu seiner Kreuzigung in 14 Stationen nachgegangen wird. Am Karfreitag sind wir nach der Messe gemeinsam durch die Straßen gezogen und haben an verschiedenen Stationen Halt gemacht. An jeder Station wurde eine Szene aus dem Leidensweg Jesu schauspielerisch dargestellt, begleitet von kurzen Gebeten und Momenten der Stille.Auch am Ostersonntag spielte die Vía Crucis noch einmal eine wichtige Rolle: Zum Abschluss wurde die Auferstehung Jesu szenisch dargestellt. Dafür haben wir im Vorfeld zwei Tänze vorbereitet, mit denen wir die Vía Crucis feierlich beendet haben.Für mich war diese Zeit eine unglaublich eindrucksvolle Erfahrung. Es war etwas ganz Besonderes, diese Tradition so intensiv mitzuerleben, aktiv daran teilzunehmen und sogar bei der Vorbereitung mithelfen zu dürfen.

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Via Crucis

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Via Crucis

Das waren weitere Monate meines Lebens hier in Riberalta. Inzwischen sind es nur noch fünf Monate, die vor mir liegen, und ich möchte diese Zeit so intensiv wie möglich genießen. Ich bin gespannt, was die nächsten Monate noch alles für mich bereithalten, und freue mich auf viele weitere Erfahrungen, Begegnungen und besondere Momente.